Buchauswahl und Männerauswahl folgen demselben System

Was die Buchauswahl beim Packen mit der Auswahl meines Ehemannes zu tun hat, darum geht es jetzt. Bevor ich nach New York City geflogen bin, musste ich eine schwerwiegende Entscheidung treffen – im buchstäblichen Sinne. Es sind ja gerade mal 20kg, die ein Gepäckstück wiegen darf. Und meine Bücher, die sind schwer. Die wiegen was. Ich habe mich für meinen üblichen Lonely Planet entschieden und Adam Braun´s „The Promise Of A Pencil“.  Von vielen, vielen Büchern, hat es Adam Brauns geschafft. Meine Männerauswahl lief ähnlich ab.

pencils of promise adam braun new york

Als ich Adam Brauns Geschichte zum ersten Mal hörte und sah (weil Marie Forleo ihn glücklicherweise zu sich eingeladen hatte), plärrte ich Rotz und Wasser. Versteht mich nicht falsch, Adam war/ist ein netter US Amerikaner in den 30ern , mit stabilen Wurzeln und ohne tief erschütterndes Drama in seinem Leben. Was mich bei Adam Braun so unglaublich berührt hat, war die selbstverständliche Natürlichkeit im Umgang mit der Bedeutung seines Lebens. Mit seinem „purpose“. Das ist das englische Wort für Lebensauftrag, Daseinszweck, Mission, Bedeutung im Leben. Ich mag das Wort „purpose“, weil es so klar ist. Es ist nicht bis in die Unkenntlichkeit durch Esoterik verunstaltet worden, die jeden abhängt, der sich weigert, seinen Verstand an der Kasse abzugeben.

Adam Braun baut Schulen in Entwicklungsländern für Kinder. Falls Du Deinen „purpose“ kennst, dann weißt Du, wie es sich anfühlt, wenn Deine Mission auf eine ähnliche trifft. Lebensaufträge erkennen einander. Das Entspannende an der Klarheit zum eigenen Daseinszweck ist für mich, dass man dadurch auch alles andere erkennt, das nicht zu einem passt. Adam Braun und „Pencils of Promise“ passt zu mir. Genau wie mein Mann zu mir passt.


Am Klappentext erkennst Du Menschen, die zu Dir passen

Jörn ist der Autor seines wunderbaren Lebens und ich habe es in seinen Roman geschafft, genau wie er auf einigen meiner Seiten steht. Wenn Du zwei Autoren beauftragst, über ein und dasselbe Leben zu schreiben, bekommst Du zwei verschiedene Geschichten. Obwohl wir zusammen leben, schreibt Jörn eine andere Geschichte in sein Buch. Und ich schreibe andere Dinge in meines. Manchmal lesen wir dem anderen daraus vor, manchmal nicht. Manche Seiten sind geheim, die gehen nur mich etwas an. Manchmal wissen wir beide nicht, was wir als nächstes schreiben wollen, auf die leeren Seiten unserer Bücher. Keiner von uns käme auf die Idee, dem anderen sein Buch weg zu nehmen, um etwas hinein zu kritzeln, das uns gerade passen würde. Niemand kann die Geschichte eines anderen Menschen schreiben. Du kannst höchstens Glück haben, wenn Du einer der guten Hauptfiguren darin wirst.

Ich lese gerne Bücher, die etwas mit mir zu tun haben. Um einen guten ersten Eindruck zu kriegen, studiere ich den Klappentext. Es gibt Menschen, die haben keine Ahnung, was auf ihrem Klappentext stehen soll. Stell Dir vor Du suchst nach Deinem idealen Lebenspartner – oder willst Dich finden lassen. Wie soll das gehen, wenn ein Leser nur wirres Zeug auf Deinem Buchrücken liest? Oder noch schlimmer: Was, wenn das, was dort steht, gar nicht zu Dir gehört, weil jemand anderes für Dich Deine Geschichte geschrieben hat? Da ist es doch vollkommen logisch, dass Du entweder keine oder die falschen Leser ansprichst.

Wenn Du weißt, wer Du bist und wohin Deine Reise gehen soll, dann triffst und erkennst Du Menschen, die zu Dir passen. Das sind diejenigen, die Du auf Langstreckenreisen durch Dein Leben mitnimmst. Das sind diejenigen, denen Du am Lagerfeuer Deine Geschichte vorliest und denen Du zuhörst, wenn sie ihre eigene teilen. Wenn Du keine Ahnung hast, was Du in Dein eigenes Buch schreiben sollst, frag diejenigen, die bereits Bestseller veröffentlicht haben. Vielleicht ist es Dein Nachbar, ein Kollege, Steve Jobs oder Jeanne D’Arc. Ja, man kann auch von Toten lernen, geh in ein Museum oder lies ihre Werke.


Heute morgen (meine Zeit) rief ich spontan meinen Herzallerliebsten an. Das ist der Kerl, den ich vor 15 Jahren „zufällig“ auf einer Geburtstagsfeier getroffen habe – um ihn 15 Jahre später als denjenigen zu erkennen, mit dem ich durchs Leben reisen will. Mit Lebenspartnern ist es wie mit Büchern auf Langstreckenreisen. Du musst Dir schon gut überlegen, wen Du mit Dir tragen willst. Für mich kommen nur Bücher in Frage, deren Inhalt mich berührt. Ich muss ihren Geruch lieben und wenn ich über ihren Rücken streiche wissen, dass ich es immer wieder tun würde, weil es sich gut anfühlt.

In manchen Partnerschaften bist Du Wächter und gleichzeitig Gefangener

Jörn und ich gehen eher öfters als selten getrennte Wege. Es gibt Paare, die sind so miteinander verschmolzen, dass ich den einen kaum noch vom anderen Menschen unterscheiden kann. Die scheinen ihre eigenen Lebensbücher auf dem Standesamt verbrannt zu haben, um sich danach eines zu teilen. Bloß… Wer schreibt da wann was hinein? Wer schreibt am meisten, wer am wenigstens? Wer reißt Seiten raus oder diktiert dem anderen seine Geschichte? Das ist nicht nur mangelnde Eigenverantwortung für das eigene Leben. Das ist Gefangenschaft, bei der Du Wächter und gleichzeitig Gefangener bist.

Mein Mann antwortete heute morgen auf meine Aussage hin, dass ich ihn vermisse (und den Hund, wirklich in dieser Reihenfolge): „Oh man, wie schön. Ich bin aber ehrlich, ich genieße jede Sekunde hier, auch ohne Dich. Ein Mann und sein Hund, mehr brauche ich gerade nicht.“ Viele Frauen tendieren in solchen Momenten dazu, verletzt zu sein. In mir hat dieser Satz eine Welle der Liebe ausgelöst, weil ich es geschafft habe, eine Plattform mit diesem Mann zu bauen, auf der jeder mal ganz für sich alleine sein – und es angstfrei aussprechen kann. Einer von uns in New York City (während ich das hier schreibe im Starbucks, East 40th) und einer in München (Couch, mit Hund).

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Dein Glück mit tierisch kalter Schnauze

Wir suchen ständig danach, dabei liegt es manchen von uns jeden Tag zu Füßen. Wer einen Hund hat, dem schenkt das Leben gleich vielfaches Glück, inklusive Weg dorthin. Wie das geht?

Ich sitze am Kölner Flughafen in einem Café und frage mich, was diesmal anders ist als sonst. Ein Punkt ist sicherlich, dass ich mehr Zeit bis zum Boarding habe, als es sonst der Fall ist. Einer meiner Studenten, der sich heute tapfer mit seinen angehenden Coach-Kollegen meine Erkenntnisse in der Mensch-Hund-Beziehung angehört hat, hat sich angeboten mich zum Flughafen zu fahren. Eine Stunde, die ich geschenkt bekommen habe. Was nur fange ich mit dieser Zeit jetzt an?

Die Reise zum Glück
Ich tue das, wonach ich mich so oft sehne, wenn ich hektisch durch den Alltag ziehe. Ich will Ruhe. Ich will einfach nur dasitzen, vielleicht etwas lesen und hin und wieder an meinem Kaffee, Tee, Saft oder was auch immer nippen. Das mache ich jetzt. Zusammen mit einem Magazin, das ich irgendwo in der Mitte aufschlage. Dort springt mir die Frage aller Fragen ins Gesicht: Was ist Glück?

Sofort weiß ich, was es NICHT ist. Das stetige Streben nach beruflicher Anerkennung. Das ständige Fragen, ob andere besser oder weiter sind. Wünschen anderer zu entsprechen, an der Vergangenheit festzuhalten, Liebe nur unter Bedingungen zu geben. Der innere Gedankenterror, wenn nachts der Schlaf nicht kommen will. Meine Liste ist lange.

Glücklich werden Glück finden

Wenn das alles kein Glück bedeutet, was ist es dann?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals eine finale Antwort für mich finde. Ich bezweifle sogar, dass es sie gibt und schon alleine das wird dafür sorgen, dass ich recht behalte. Was ich glaube ist, dass sich unser Glück, und was wir als solches empfinden, ändert. Es kann sich in jeder Sekunde unseres Lebens ändern. Besonders schmerzhaft wurde mir das vergangene Woche bewusst. Jörn hatte in Phaedras Hals einen Knoten entdeckt. Ein Tumor, wie wir nun wissen. Während einer Routine-OP wurden zwei Knoten entfernt und wir warten auf das Ergebnis. Gutartig oder bösartig? Wir wissen es noch nicht. Was ich nun mit jeder Zelle meines Körpers weiß ist, welches Glück mein Hund für mich bedeutet. „Wir haben veränderte Zellen festgestellt“, teilten uns die Tierärzte mit.

Ja. Ich auch. Bei mir. Da, wo meine Herzzellen im Körper wohnen, tat plötzlich alles weh. Meine Beine wurden schwach und mein logisches Denken schien sich verkrochen zu haben, um allen Emotionen in mir auf einmal Platz zu machen. „Was zur Hölle…“, hab ich noch gedacht, bevor ich endgültig die Fassung verloren habe. Zuletzt habe ich Wasserfälle geweint, als meine Schwiegermutter gestorben war. Das hier war ein Hund! „Nur“ ein Hund. Nur ein Hund? Scheiße, wer das denkt oder sagt, den bedauere ich. Es war nur mein Hund, der mir beigebracht hat, wie sich bedingungslose Liebe anfühlt. Ehrlich. Nur mein Hund. Kein Mensch. Nur mein Hund.

Das kleine Glück im Alltag kommt riesengroß auf vier Pfoten daher
Für mich ist einer der glücklichsten Momente am Tag, wenn mein Hund mich begrüßt. Wenn wir gemeinsam spazieren gehen. Wenn ich sie beim Mäuschenbuddeln beobachte – und ja, auch wenn ich sie mühelos davon abhalten und abrufen kann. Wenn ich ihr die maximale Freiheit schenken kann, die sie braucht. Als ich spürte, was es bedeutete, dieses Glück zu verlieren, ging für mich die Welt eine kurze Zeit unter.

Ich habe das wunderbare Glück, jeden Tag mit Menschen und ihren Hunden zu arbeiten. Ich weiß sehr sicher, dass Hunde vielen Menschen einen Weg auf machen, um fühlen zu können – was auch immer. Das, was Hunde an Glück, Lebensfreude und Liebe in uns auslösen, bedeutet auch eine wichtige Erkenntnis im Zusammenleben mit Menschen. Wenn ich weiß, wie es sich anfühlt, bedingungslos zu lieben – dann erkenne ich diese Liebe, wenn sie mir im Alltag begegnet. Andernfalls steht sie vielleicht eines Tages vor uns und wir lassen die Liebe vorüberziehen, weil wir sie nicht erkannt haben.

Diese Erkenntnis kam in einem Menschen zustande, der „nur“ mit einem Hund lebt. Vielleicht denkst Du, wenn Du das hier liest, genauso oder ähnlich. Teile diesen Text! Für Menschen, die „nur“ mit einem Hund auch das erfahren, was sich Liebe nennt.

Euch allen, die ihr mit einem Hund lebt: gute Reise! Ich steige jetzt in den Flieger, der mich nach Hause zu meinem Glück fliegt.

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Zur inneren Gelassenheit finden im Kreisverwaltungsreferat (KVR) München

Gerade einmal vier Stunden hat es gedauert, bis ich im Kreise 169 weiterer Personen meinen neuen EU-Kartenführerschein beantragen konnte. Zur Prüfungsanmeldung zum Bootschein muss mein KFZ-Führerschein vorliegen. Nichtsahnend parkte ich im kühlen Parkhaus des KVR und begab mich in die Minen von Moria. Dass sich mir dabei die Gelegenheit bieten würde, die Tipps des Dalai Lama zu befolgen, wusste ich da noch nicht.

Ich hielt Wartenummer 854 mit einer Wartezeitangabe von 198 Minuten offen gestanden für einen Fehler im System der Anzeigentafel. Es war gerade Nummer 632 dran. Jetzt ist das KVR fortschrittlicher in der Technik, als man denkt. Ein Barcode ist auf den Wartezettel gedruckt und was mache ich mit Barcodes, wenn ich sie sehe? Richtig. Ich scanne sie. Natürlich mit barcoo. Jedenfalls sagte barcoo dasselbe, wie die Anzeigentafel vor mir und das machte mich stutzig. Ich vertraue barcoo, einfach und allein deshalb, weil ich notfalls Benny Thym persönlich einen Krug Wasser über den Kopf kippe, wenn es versagt. So stand ich nun, ich armer Thor und war so… tierisch angepisst, aber es half ja nix. Ich möchte schließlich segeln.

Was fängt man mit unerwartet langen Wartezeiten an?

Schritt 1: Kein Mangel, sondern ein Geschenk.
Du änderst als erstes Deine Wahrnehmung von „Alles scheiße!“ in „Oh, ein Geschenk.“ Das Leben hält Dir gerade zwei Tabletts hin. Auf dem einen Tablett liegen Wut, Nerv, Frust, miese Laune. Auf dem anderen Tablett liegen Ruhe, Zeit zum Nachdenken, Zeit für´s Sortieren und Ordnen, Zeit für Telefonate, Zeit für Emails, Zeit für einen Spaziergang, Zeit um neue Menschen kennen zu lernen, Zeit für einen Kaffee.

KVR 2Ich habe mich für Tablett „Oh, ein Geschenk.“ entschieden. Im 4. Stock des KVR befindet sich eine Cafeteria (schlimmer, als das SoWi Café im Oec damals – sofort ein Gefühl von Zuhause). Dort saßen erstaunlich wenige Leute! Wo waren die anderen 169 Menschen, die mir mein Wartezettel versprochen hat? Die saßen ernsthaft alle unten im Wartebereich F. Erstaunlich, wie viele Menschen sich für Tablett „Alles scheiße!“ entscheiden.

Schritt 2: Das Tablett leer futtern
Du schaust mal nach, was alles auf Deinem Tablett liegt. Dann machst Du Dich dran, das Tablett zu leeren.

Ich begann mit meinen Emails, führte Telefonate, futterte mein Mittagessen, machte einen Spaziergang, räumte mein Auto samt Kisten mit Trainingsmaterial aus und wieder ein. Überlegte mir neue Newsletter-Header und quälte meine SBF-Binnen App. Danach war mein Handy leer und anderthalb Stunden Warten lagen noch vor mir.

Schritt 3: Du starrst das leere Tablett an und spiegelst Dich darin
Wenn Du alles weggeputzt hast und sogar das Tablett spiegelglatt abgeleckt, sodass nicht ein einziger Krümel mehr übrig bleibt, dann kommt jetzt das größte Geschenk. Du hältst das Tablett wie einen Spiegel vor Dein Gesicht. Wen erwartest Du, darin zu sehen? Dich. Wie soll der Mensch aussehen, den Du anschaust? Angekotzt und genervt – oder gelassen und glücklich?

Es kam also der Punkt, an dem es nichts mehr zu erledigen gab. Jetzt war „Sitzen und Warten“ dran. Ich kenne die Nummer, ich mache das jeden Morgen. Ich sitze einfach nur herum. Es ist spannend, was dabei passiert. Alle möglichen Gedanken und Gefühle poppen jetzt hoch. Du heißt sie alle herzlich willkommen (ja, auch die Arschgeigen wie „Ärger“, „Frust“, „Angst“ usw.) und gibst ihnen die Erlaubnis, weiterziehen zu dürfen. Es geht in solchen Momenten nicht darum, sich gegen Gefühle zu wehren oder sie krampfhaft fest zu halten. Gefühle wollen einfach nur wahrgenommen werden. Sobald Du den Kopf dazu einschaltest und versuchst, sie zu erklären oder zu bändigen, lieferst Du Dich aus und sie bekommen Macht über Dich. Deine Entscheidung, jeden Tag. Wenn Du Ruhe in Deinem Leben wünschst, findest Du sie nachhaltig nur in Dir selbst. Im Zweifel sogar im KVR München, inmitten von Leuten, die Tablett „Alles scheiße!“ gewählt haben. Dieses Tablett übrigens, das füllt sich immer wieder von selbst. Kaum hast Du „Nerv“ gefuttert, kommt „Nerv“ nach. Du ahnst es: dieses Tablett wird niemals leer und Du wirst niemals fertig sein. Du wirst Dich niemals darin spiegeln können, weil es immer verschmutzt ist. Tablett „Alles scheiße!“ liefert Ärger. „Alles scheiße!“ kann aber nichts dafür! Es ist, was es ist. Wenn Du es auswählst, ist das Deine Schuld – nicht die vom Tablett.

Schritt 4: Life is life! Na na naaa naaa na.
Genug gesehen, genug gefühlt? Herzrhytmus langsam, Puls gesenkt, Arme und Beine lässig von Dir gestreckt? Jetzt kommt der lustige Part.

Mich hat eine TV-Serie in meinem Leben echt geprägt. Ally McBeal! Ally ist eine Anwältin, deren Gedanken bisweilen abgedreht und schräg sind, genau wie ihr Dasein an sich. Ally hat eine Lebenshymne. Meine ist „Searchin´my soul“ von Vonda Shepherd. Es eignen sich viele Songs als Lebenshymnen, finde ich. Vielleicht hast Du auch eine, ohne es zu wissen? Schau mal nach. Auf jeden Fall höre ich im Geiste „Searchin´my soul“, wenn ich die Menschen in meinem Umfeld wahrnehme und all den Frust und Ärger sehe, der in ihren Gesichtern parkt. Die Krux ist, dass ich das nur erkennen kann, wenn ich ruhig und bei mir bin. Schritte 1-3. Tablett „Oh, ein Geschenk.“ Das ist wirklich keine leichte Übung, dennoch wird sie leichter mit jedem Mal der Ausführung. Die Alternative kotzt mich ehrlich gesagt zu sehr an. Mir schmeckt „Alles scheiße!“ einfach nicht (mehr). Nun sitzt Du in solchen Momenten zwischen einer Horde (wir sind in Moria, denk dran) frustrierter Orcs, äh, Menschen und bist selbst die Ruhe in Person. Mach Dir mal den Spaß und sprich in einem solchen Zustand einen der Frust-Genossen an. Sei nachsichtig, der futtert seit drei Stunden von Tablett „Alles scheiße!“ und glaubt den Mist auch. Wenn er an die Decke geht, hat das nichts mit Dir zu tun! Frag was einfaches wie: „Wo haben Sie eigentlich Ihren letzten Urlaub verbracht?“

Ich sag jetzt nichts weiter. Tu es einfach!KVR München Führerschein KFZ Zulassung Führerscheinentzug Innere Gelassenheit

Schritt 5: Feiere Deine Erfolge!

Es ist 17.13 Uhr. Vier Stunden „Oh. Ein Geschenk.“ liegen hinter mir. Ich bin dankbar für meine Erkenntnis, dass ich wählen darf, ob ich mich aufrege oder nicht.

Vonda Shepherd trällert „Searchin´my soul“, ich kurve mit heruntergelassenen Fenstern durch Münchens Feierabendverkehr und spüre den Fahrtwind auf Armen und Gesicht. Jetzt fehlt nur noch der Geruch des Meeres und ein bisschen Gischt. Das Display meines Navis zeigt überall Stau. Im Radio werde ich aufgefordert, bestimmte Bereiche weiträumig zu umfahren. Wie durch ein Wunder fahre ich völlig ungehindert an den wartenden Autos vorbei und komme so schnell zu Hause an, wie noch nie während Feierabendverkehr und Touristeninvasion.

Nein, es ist kein Wunder. Tablettlieferservice „Alles scheiße!“ hat einfach unglaublich viel Zulauf. Die Schlange bei „Oh. Ein Geschenk.“ ist in der Regel sehr viel kürzer. Je nachdem, wo man sich einreiht, lernt man die einen, oder die anderen Menschen kennen. Ich wünsche Dir, der/die Du diese Zeilen liest, dass wir uns bald mal treffen, nachdem Du „Oh. Ein Geschenk“ leer gefuttert hast.

Ich bin neugierig – was machst Du so, wenn Du unerwartet lange Warten darfst?

Angst über Bord! Manöver klar machen zum Ersaufen lassen…

„Mann über Bord entspricht heute nicht mehr der political correctness. Wir sagen jetzt Mensch über Bord.“ Mario, unser Segellehrer, weiht uns in die ersten Schritte des Segelns ein. Dazu gehört auch das Verhalten im Notfall. Phaedra hält kurz inne und legt ihr durchgeknautschtes Lammohr beiseite. Fragend blickt sie mir mitten ins Gesicht. Ja, Hund, ich denke das gleiche. Auch mir ist es pupsegal, wie wir das Manöver nennen. Mann über Bord, Frau über Bord, Hund über Bord – was auch immer die Mannschaft in dem Moment schreit, wenn wir ungewollt ins Wasser plumpsen, wir wollen gerettet werden. Alle sollen gerettet werden. Außer meine Angst, die will ich gerne ersaufen lassen!

Dieser Blog beschreibt eine Reise vor der Reise, während der Reise und, je nachdem wie es ausgeht, nach der Reise. Die Mannschaft hat aktuell zwei mal zwei Beine und ein mal vier Beine. 

Phaedra und ich, wir sind Landeier. Beide sind wir der Meinung, dass der Herrgott uns sicherlich mit Schwimmhäuten und Kiemen ausgestattet hätte, wenn das Wasser unser Element hätte sein sollen. Zu meinen glücklichsten Momenten gehört es, mit meinem Hund durch hohes Gras zu schleichen, ihr beim Sprinten zu zu schauen, sie beim Schnüffeln anzufeuern. Kurzum: sie Hund sein zu lassen. Und wo leben Hunde? An Land.

IMG_0829„Angst ist ein schlechter Begleiter beim Segeln, man muss Souveränität beibehalten.“ Mario zeigt ein Video mit Windstärke 10. Abgebrochene Masten, Boote die übereinander liegen. „Du brauchst immer einen Plan. Immer. Die Sicherheit bei der Planung kommt über die Jahre.“ Ein Glück, denke ich. Denn ich habe noch 15 Jahre Zeit, bis mein Mann und ich unsere Lebensträume zusammen legen.

Ich will die Welt bereisen. Schon immer. Ich will sie durch die Augen ihrer Menschen sehen, durch ihre Pflanzenwelt wandern und ihre Tiere schützen. Irgendwie hatte ich die letzten 34 Jahre das Wasser dabei übersehen. Gemessen an der Tatsache, dass unser Planet hauptsächlich von Wasser überzogen ist, ganz schön behämmert. Wasser sichert außerdem das Leben. Wasser und ich – wir hatten uns irgendwie immer verpasst. Bis Jörn kam.

Mitten ins Herz getroffen, fangen manche Menschen an zu leben
Eines Abends, als wir in unserer legendären Küche in Münchens Kattowitzerstrasse standen, trafen mich die Worte meines Mannes mitten ins Herz. Wer jemals einen Moment erleben durfte, in dem ein Mensch von seinem Traum oder seiner Lebensvision erzählt und es mit jeder Faser seines Körpers weiß, dann brauche ich nicht viel mehr schreiben, als das. Wer es nicht erlebt hat: Du kannst es in den Augen sehen, an der Stimme hören und in der Brust spüren. Es haut dich einfach um. Du kommst nicht auf die Idee, nach dem „Ja, aber…“ zu suchen. So ging es mir zum ersten Mal in meinem Zusammensein mit Jörn. Wer meinen Mann und mich kennt, vermutet hinter der Idee einer Auszeit oder eines Lebensabends auf See eher ein Hirngespinst von mir. Jörn ist der Denker, Planer, Kritiker. Ich bin die Kreative, Revoluzzer, Visionärin. Ihr dürft mir glauben, dass ich schwankte in meinen Gefühlen. Unfassbare Freude („juhu, er wird endlich abenteuerlustig!“) gepaart mit Überforderung („Ich kann nicht Segeln. Fischen. Surfen. Tauchen. Gerade so schwimmen. Ohne Hund Leben!“) Ich half mir mit dem, was mich bislang immer gerettet hat: geh dorthin, wo die Angst winkt. Sie lädt dich zum wachsen ein.IMG_0821

Ein halbes Jahr später buchte ich einen ersten Segelkurs. Im Kopf bereits angemeldet für alles, was man an Scheinen und Qualifikationen für den Segelsport überhaupt machen kann, wenn man Richtung Blauwassersegeln strebt.

Die Reise beginnt mit dem ersten Schritt
„Du kannst sogar eine medizinische Grundausbildung machen und lernst, wie man Haut an toten Schweinen näht.“ Marion zwinkert mir zu. Ich mache mir eine Notiz: lernen, wie man klaffende Wunden versorgt und zunäht.

Ende Juli 2015 sitzen Jörn, Phaedra und ich also bei ABC Wassersport in München und pauken alles Rund ums Boot, seemännisches Arbeiten (das darf man so schreiben, seemenschliches Arbeiten gibt es noch nicht als Wort), Wetterkunde, Motorkunde, Schallsignale… Als meine mitfühlende Begleiterin verkauft, erhält Phaedra die Genehmigung zur Teilnahme am Theoriekurs. Sie wird mich niemals persönlich auf diesem finalen Trip um die Welt begleiten, das steht fest. Kein Hund wird das. Trotzdem ist sie JETZT dabei, denn sie gehört zu unserem Leben. Mit ihrer freundlichen, verspielten Art schleicht sie sich schnell in alle Herzen der Teilnehmer und wickelt Seminarleiter und Geschäftsführer um den Finger. Der Bootshund, der Seehund, der Wassersuchund. Ich grinse nur. Wenn die wüssten…

Hier ist der Weg das Ziel. Schritt für Schritt die bewusste Verabschiedung von einer altbekannten Lebensweise hin zu einer neuen. In 15 Jahren sind wir 15 Jahre verheiratet. Wir haben neue Freunde und alte. Menschen, die wir heute noch anrufen, werden dann nicht mehr leben. Phaedra wird nicht mehr leben. Wir werden einen ganzen Haufen Segeltörns gefahren sein und Logbucheinträge sind selbstverständlich. Was heute völlig unbekanntes Terrain für mich ist, wird morgen so selbstverständlich sein wie das Training eines Hundes.

IMG_0825Das Leben mit Leben füllen
Ein Knoten ist eine Seemeile pro Stunde. 80 Zentimeter auf einem Masssband sind achtzig Jahre leben. Wie füllen wir unsere Jahre mit Leben? Wieviele Zentimeter, wieviele Seemeilen wollen wir mit Zeit verbringen, die uns nicht erfüllt? Woher weiß ich, dass dieses Projekt nicht wahnsinnig bescheuert ist, wo ich gerade mal 4 Segeltörns in meinem Leben gesegelt bin? Die Antwort ist: ich weiß es nicht. Manche Dinge im Leben, ich behaupte sogar die meisten, kann der Verstand nicht erfassen. Manche Dinge, die fühlt man einfach. Wenn ich etwas erfahren habe, dann das.

Logbucheintrag
Heute ist Sonntag, 26. Juli 2015. Die Sicht ist klar, es ist sonnig, kaum Wolken am Himmel. Die Temperaturen liegen bei 19 Grad. Wir haben festen Boden unter den Füßen, halten uns für wahnsinnig und unsere Gehirne sind verknotet, ganz wie der schlecht gemachte Palstek in meiner Hosentasche.