Die Schildkröte, die niemals einen Ton von sich gibt, wenn sie spricht (aus: Die Glückswelle im Leben surfen)

Sie sah mich eigentlich nur an – und die Welt begann still zu stehen. Ein spiegelglattes Meer umschloss mein Boot und verband mich mit der Schildkröte, die niemals einen Ton von sich gibt, wenn sie spricht. Da wusste ich, wer sie war. Ich spürte es. Ich hörte es mit jeder meiner Zellen.

An diesem Tag lernte ich, wie Stille im Leben ein Rettungsanker wird.

„Ich bin die Stille. Wenn du ganz ruhig bist, kannst du meine Worte verstehen. Ich erzähle von allem, was bereits in dir wohnt.“ Mit diesen Worten verschwand sie. Tauchte ab ins tiefe Blau und ließ mich zurück mit dem lautesten Hall, den ich jemals vernommen hatte. Nur das Wasser und ich.
Es passiert vieles, wenn das Leben zum Stillstand kommt. Der Atem wird langsam und tief. Du hörst, wie Du atmest. Irgendwann begreifst Du, dass diese Handlung zu den wenigen gehört, die Du tatsächlich tun musst. Der Schlaf kam über mich. Er gehört auch zu jenen, die Menschen keine Wahl lassen. Du musst schlafen, früher oder später. Geweckt wurde ich von einem natürlichen Drang. Wenn jemand „mal muss“, dann ist das die beste Wortwahl, finde ich. Noch so ein „muss“ und kein „kann“. Ich hatte Durst und ich hatte Hunger. Das passiert einfach, genau wie das Atmen.

Sie hatte natürlich Recht behalten. Ich hörte ihre Stimme, obwohl ich sie nicht sehen konnte.
„Es stimmt, du kannst keine Entscheidung darüber treffen, ob du in diesem Leben atmest, jemals schläfst, isst oder trinkst. Das „ob“ gehört dir nicht. Du kannst etwas anderes tun: Das „wie“ liegt in deiner Hand!“

Wie will ich atmen? Tief.
Wie will ich schlafen? Erholsam.
Wie will ich essen und trinken? Gesund.

Ich ließ es nach einer Weile sein mich zu fragen, was ich an meinen Pinkelgewohnheiten ändern konnte. Wie will ich pinkeln? Sitzend?

Gründe, die einem den tiefen Atem verschlagen:
1. Hektik
Das, was sich mir als Geschäftigkeit und Fleiß vorgestellt hatte, war in Wahrheit pure Hektik gewesen. Sie hatte sich bloß maskiert und war als etwas aufgetreten, das in unserer Gesellschaft als „Vielbeschäftigt“ deklariert wird. Wer viel beschäftigt ist, der tut viel, erreicht viel, verdient viel, weiß viel, ist viel. Ich war sogar so sehr in die Hektikfalle geraten, dass ich geglaubt hab, die Früchte dieser Hektik seien mein Erfolg.

2. Ruhelosigkeit
Mir kamen Pausen wie Folter vor. Sobald ich aufhörte zu arbeiten, fühlte ich mich rastlos. Es schien mir falsch, etwas anderes zu tun, als zu arbeiten. Selbst Essen mit Freunden (wenn ich sie überhaupt noch traf), Telefonate mit meiner Familie oder DVD-Abende wurden zur Geduldsprobe. Die Arbeit war mein Leben und alles, was mich davon abhielt, war störend.

3. Achtlosigkeit
Ich hastete von Termin zu Termin und führte Telefonat um Telefonat. An manchen Tagen hätte ich nicht sagen können, mit wem ich eigentlich gesprochen hatte und um was es dabei ging. Ich wusste weder die Namen der Menschen, noch erinnerte ich mich an ihr Aussehen. Ich bemerkte den Jahreszeitenwechsel dann, wenn ich in Kleidung fror, die Wochen vorher noch gewärmt hatte. Am Abend entdeckte ich verschmierte Wimperntusche erst, wenn ich beim Zähneputzen zufällig in den Spiegel sah. Wie lange ich so herumgelaufen war, blieb immer das Geheimnis meiner Augen.

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Gründe, die einen nicht schlafen lassen:
1. Gedankenfeuer
Mal waren es kurze Schüsse, wie aus einer Pistole schnell hintereinander abgefeuert. Manchmal auch ganze Salven, so wie aus einem Maschinengewehr. Wenn ich richtig am Sack war, schlugen ganze Bomben in meinem Kopf ein. Jede Kugel brachte ein Thema mit sich: „Wieso versteht mein Chef mich nicht?“ oder „Bin ich wirklich geeignet dafür?“ oder „Habe ich die richtige Entscheidung getroffen.“ Die Liste war endlos und so auch meine Schlaflosigkeit.

2. Fernsehwahnsinn
Als wäre die Befeuerung meines Kopfes über den Tag nicht genug gewesen, ließ ich mich sogar im Bett noch beschallen und bebildern. Obwohl ich in manchen Nächten todmüde war, hielt ich mich krampfhaft wach, um nicht etwa Deutschlands neuen Superstar zu verpassen. Nicht auszudenken, was dann passiert wäre.

3. Matratzenkrampf
Es dauerte eine Weile bis ich kapierte, dass sich mein Körper auf Billig-Lattenrost von Poco und Aldi-Matratze einfach nicht erholen konnte. Also schlief ich jahrelang auf einem Möbel, das später selbst meinem Hund zu unbequem wurde.

Gründe, die einen krank werden lassen:
1. Fast-Food
Tatsächlich fand ich mich im Sumpf derer Leute wieder, die sich mittags und abends schnell irgendetwas Essbares rein pfeifen, nur um den Magen zu füllen, damit er die Klappe hält. Schnell verfügbar sind Essenslieferanten wie Mac Donalds oder Burger King, aber auch Döner Buden oder China Imbiss. Mich hielt nerviges Kochen vom Arbeiten ab, genauso wie Überlegungen zum Einkaufen.

3. Schlafentzug
Ich schlief schlecht – siehe oben. Ich war selbst im Nachthemd noch in Hektik und ruhelos.

4. Alkohol und Nikotin
Ich trank Rotwein, jeden Abend. Ein Glas mindestens, maximal zwei oder drei. Das mag nicht viel sein, dennoch war es eine Gewohnheit geworden, auf die ich nicht verzichten wollte – oder konnte. Begleitet von drei bis vier Zigaretten, wurde dieser Konsum zu einem Ritual vor dem Zubettgehen. Alkohol macht ruhig und das war es, wonach ich mich gesehnt hatte. Damals wusste ich noch nicht, dass echte Ruhe nicht von außen kommt.

Nun lehnte ich mich über die Reling und lauschte. Mir schien mein bisheriges Tun so unglaublich sinnlos. Ich fühlte eine Leere in mir, die gleichzeitig Befreiung und Last war. Sie waren weg, alle. Hektik, Ruhelosigkeit, Achtlosigkeit. Ich war ganz im Hier und Jetzt. Sie waren über Bord gegangen, das Gedankenfeuer, der Fernsehwahnsinn und Matratzenkrampf. Ich wollte unbedingt gesund werden.

Ich hörte bald nur noch das gluckernde Plätschern des Wassers. Und meinen Atem. Dann hörte ich gar nichts mehr und schlief ein.

Das, was bleibt, wenn Du nichts mehr tust, ist Stille. Sie trägt Ruhe im Gepäck und sorgt für tiefen Atem. Stille lässt Dich schlafen. Stille macht heile und gesund. Sie ist das lauteste, was ich jemals gehört habe. Sie trägt den Rettungsanker mit sich, den wir brauchen im Leben.

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Wie der eigene Blickwinkel das Leben verändert (Aus: Die Glückswelle im Leben surfen)

Ich verliebte mich am nächsten Tag in den Wind. Später sollte ich seine Tochter werden, aber das ist eine andere Geschichte (und soll ein andermal erzählt werden). Mein Boot schaukelte sanft im leichten Wellengang, während mir hin und wieder ein wenig Gischt ins Gesicht spritzte. Vermutlich waren das die Ausläufer meiner durchplärrten Nacht. Wenn der Körper zusammen mit der Seele Hausputz macht, dann aber richtig. Das machen die beiden mit Salzwasser, was ja vernünftig ist.

An diesem Tag lernte ich, wie ich meinen Blickwinkel verändern kann, um das Glück schon von weitem zu sehen.

Wir Menschen haben so eine doofe Angewohnheit, dass wir unsere Probleme häufig mit denselben oder ähnlichen Strategien angehen. Wir gucken auf eine Herausforderung mit einem gut einstudierten Blick. Um im Leben nicht immer wieder, wie ein Kleinkind, von vorne anfangen zu müssen oder alles neu zu erlernen, ist das super. Ziemlich beknackt ist diese Methode dann, wenn wir uns verrannt haben. Wenn es mit diesem Blickwinkel und jener Herangehensweise einfach nicht weiter geht.

Was hilft da? Eine andere Perspektive einnehmen. Anders auf die Probleme gucken. Mal einen Schritt zu Seite machen und den Kopf leicht drehen, damit die Augen einen anderen Winkel ausleuchten.

Gut, meine Position wurde durch eine ordentliche Welle verändert, indem mein Boot einen Satz nach oben machte, mich unsanft hochschleuderte und (schönerweise) wieder auffing. Das Leben macht das manchmal so. Was vermeintlich ein Schlag ist, entpuppt sich als Segen. Jedenfalls stand ich auf meinem Boot und rieb gerade mit schräg gelegtem Kopf meinen Nacken, als ich meine neue Freundin auf mich zu schwimmen sah. Was ich in diesem Moment allerdings nicht wusste.

Die Entdeckung der Entschleunigung
Außen war das Wetter so, wie Menschen es als „gut“ bezeichnen. Wir bewerten ja alles, sogar das Wetter. Innen, also in mir, war kein „gutes“ Wetter und wenn etwas nicht „gut“ ist, dann ist es „schlecht“ oder „neutral“. Von meinem inneren Wetterzustand aus betrachtet, dachte ich zuerst: „Oh nein, wenn dich jemand so sieht! In diesem Zustand, völlig im Eimer und planlos!“ So was zu denken kriegst Du zustande, wenn Dein innerer Wetterzustand echt schlecht ist. Ich hatte keine bessere Idee, als ich am Horizont im Wasser etwas auf mich zuschwimmen sah, als zu glauben, es sei ein Mensch, der mich „so“ sehen könnte. Der MICH sehen könnte. Dieses Phänomen tritt im Leben meist dann in Erscheinung, wenn zwei Faktoren aufeinanderprallen.

1. Druck
Leistungsdruck, Erfolgsdruck, sozialer Druck. Je mehr Druck, desto höher die empfundene Belastung. Wenn Druck dauerhaft als „zu hoch“ empfunden wird, hat man es verpasst, Grenzen zu setzen. Eine Grenze ist etwas außerordentlich hilfreiches, wenn Du Dich schützen magst. Unterliegst Du lange genug einem Druck, der Dich aus dem Gleichgewicht bringt, dann können Körper, Geist und Seele nicht mehr zusammen arbeiten. Meist schaltet sich Gevatter Geist ein und stellst sich vor Kamerad Körper und Schwester Seele. Der Geist (Kopf) nimmt den Heimwerker-Kasten und malt einen vermeintlich guten Plan auf. Er greift dabei auf gemachte Erfahrungen zurück und orientiert sich an den anderen Menschen. An denen, die den imaginären Wettkampf segeln. An denen, die den Druck genauso machen wie Du selbst. Du willst anhalten und Dich erholen, machst aber das Gegenteil. Du gibst dann nochmal ordentlich Gas, weil Du den Druck nicht aushältst.

2. Ego
Wenn Schwester Seele und Kamerad Körper das Weite suchen, weil Gevatter Geist glaubt, er sei die Lösung schlechthin dann… nennt man das den Auftritt des eigenen Egos nach Außen. Das eigene Ego ist prima, wenn es um Schutzfunktion in manchen Momenten geht. Es ist nicht immer angebracht, jedem Menschen in jedem Moment sein Innerstes zu offenbaren. Da darf das Ego ruhig mal zwischendurch zum spielen rauskommen. Wenn das Ego aber permanent draußen ist, dann wird es zur Pest an Bord. Es stellt sich als gottgleich dar, herrscht über alles und überdeckt leider auch alles, was Dein Kern ist. Was DU bist, wenn Du ausgeglichen bist. So sorgt das Ego also unter Druck für permanente Schieflage – und Du glaubst auch noch, dass das „normal“ ist – so schräg auf die Welt zu gucken. Wir erinnern uns: den Blockwinkel verändern hilft meistens…

Glück Surfen Leben Welle Wellenreiten Blickwinkel ändern Perspektive wechseln

Gerade, als ich noch darüber nachdachte wie ich mich schnell in ein besseres Licht rücken könnte, bevor dieser Unbekannte bei mir wäre, kam die nächste Welle. Diesmal landete ich auf dem Gesicht. Ich drehte meinen Kopf zur Seite.

Zuerst sah sie unglaublich niedlich aus. Ihr kleines Köpfchen streckte sich immer wieder zum Luftholen aus dem Wasser. Hin und wieder sah ich eine Flosse, wenn sie tollpatschig paddelte. Je näher sie herankam, desto größer wurde sie natürlich. Bald bemerkte ich, dass sie weder niedlich war noch tollpatschig durchs Wasser paddelte, sondern eine riesige, ausgewachsene Schildkröte darstellte. Sie war beinahe so groß wie mein Boot – unter Wasser sah sie sogar noch größer aus, als mein schwimmendes Zuhause.

Eine Gänsehaut überzog mich und Ehrfurcht stellte sich ein. Ehrfurcht. Die war mir neu. So fühlte sich dieses Wort also an, das plötzlich ein Gesicht bekam. Ich ging auf die Knie, um sie besser sehen zu können. Demut. Ah, so also fühlte sich Demut an. Die Welt schien still zu stehen, mein Boot verlangsamte sich und ich selbst wurde ruhig. Ich erinnerte mich an mein Gespräch mit Oliver, damals in der Hafenkneipe.
„Bist du Kurma?“ fragte ich ins Blaue hinein.
Sie tauchte auf und hob ihren Kopf aus dem Wasser.

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Was uns Menschen glücklich macht (Aus: Die Glückswelle im Leben surfen)

„Wie eine Karotte an einer langen Stange vor meinem Kopf, während ich dahintrabe“, lautete meine Antwort auf die Frage, wie sich das Glück im Leben manchmal verhält. Ich hatte die Segel gesetzt um meine Glückwelle im Meer der tausend Möglichkeiten zu finden – und auf ihr zu surfen, am liebsten für immer. Im Meer (des Lebens) liegt alles verborgen, was wir wissen müssen und manchmal gehen wir an Land, um das zu erden, was wir erfahren haben.

An diesem Tag lernte ich, wie ein Mensch die Richtung zum eigenen Glück finden kann.

Ich saß gerade sprichwörtlich in der Hafenkneipe und unterhielt mich bei einem Glas Rotwein mit Oliver, der dasselbe Seminar besuchte. Oliver fischte alsbald nach Zettel und Stift und schrieb ein Buch darauf, das er mir empfahl. Ich hatte damals noch die Angewohnheit, in Büchern nach finalen Antworten für mich zu suchen. Vielleicht ging es Oliver ähnlich oder er spürte, dass ich noch nicht in mir selbst lesen konnte. Auf jeden Fall machte ich Bekanntschaft mit den „7 Geheimnissen der Schildkröte“. Ein Land- und Meerestier, natürlich. Die Schildkröte Kurma lehrt, den eigenen Weg langsam zu gehen, im eigenen Tempo. Schon beim Lesen durchdrang mich stetig der Impuls, weiterzublättern und ein paar Seiten zu überspringen. Einfach die letzte Seite lesen und mir den Rest ersparen. Ehrlich, auf mich wirkte die Langsamkeit einer Schildkröte und der Schreibstil der Autoren so entschleunigend, dass ich vor der Ruhe und Stille erschrocken flüchtete, die sich mir auftat.

Glücksgeflüster bei schaukelndem Wellengang
Das Glück hat eine Stimme, jeder Mensch kann sie hören. Sie wohnt überall in uns. Ihre Position ist weder nur der Kopf, noch ausschließlich das Herz. Sie ist die Balance zwischen beiden und durchdringt jede Körperzelle. In der schnelllebigen Zeit unserer Gesellschaft, in der Leistung und Profit verkopft mehr zählen, als das Glück eines einzelnen Menschen, da wird die Stimme des eigenen Glücks systematisch begraben. Dennoch: Das Grab, das Du dem eigenen Glück schaufelst, das kannst Du wieder ausheben!

Stell Dir folgendes vor:
Du segelst auf einem Boot über das Meer. Das Boot, das ist Dein eigener Körper. Das Meer, das ist das Leben. Irgendwann hast Du Dir in den Kopf gesetzt, möglichst schnell zu segeln und weite Distanzen zurück zu legen. Du beobachtest die anderen Segelboote – manche sind schöner, schneller, größer. Andere sind das Gegenteil. Du ackerst tagein, tagaus auf Deinem Boot. Es gibt häufig Stürme, heftigen Wellengang, hin und wieder fällst Du sogar über Bord und brauchst eine Zeit, bis Du Dich wieder erholst. Die Erholungsphase macht Dich schier wahnsinnig, weil die anderen Boote Dich jetzt überholen und sich noch schöner, schneller und größer machen. Und das. während Du herumliegst und Deine Kräfte neu sammeln musst. Du setzt also alles daran wieder gesund zu werden, nur um erneut tagein, tagaus zu ackern, im Wettkampf mit den anderen.

Fragen, die Du jetzt beantworten darfst:  

Wohin segelst Du eigentlich?
Wohin führt Dich Dein Kurs im Leben?
Wofür lohnt es sich, dass Du Dich verausgabst und all Deine Energie aufbringst?
Gegen wen trittst Du in diesem Wettkampf an und für was?

Ich bin ehrlich, hier kommt mein Einwand: Wenn man an einem Wettkampf teilnimmt, dann haben alle Menschen das gleiche Ziel. Sonst kann man nicht messen, wer als erstes angekommen ist. Ich bin auch ein Mensch und versprochen, mich interessiert es nicht die Bohne, Dein Lebensziel zu erreichen.

Zurück zu den Fragen. Ich habe sie alle für mich beantwortet. Die Folge war… SCHRECKLICH!

Das Einholen meiner Segel, das Abstellen meines Motors, das Weitersegeln lassen der anderen Teilnehmer in diesem imaginären Wettkampf – war SCHRECKLICH! Noch SCHRECKLICHER war der Gedanke, weiter zu machen wie bisher. Also…

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Da plätscherte ich dahin, nachdem ich mich selbst meinem vermeintlichen Daseinszweck beraubt hatte. Und dann passierte

1. Angst Ahoi!
Ganz ehrlich, nur schön ist dieses Gefühl nicht. Das, was in Büchern und Filmen immer beschrieben wird von diesen Leuten, die alles über den Haufen schmeißen um ein neues, besseres Leben zu beginnen, das stellte sich bei mir als nackte Angst vor. Hallo?! Ich meine, da strampelst Du wie verrückt Dein halbes Leben vor Dich hin und stellst fest, dass vieles davon für die Katz war und komplett behämmert. Ich kann schon verstehen, dass viele (die meisten?) Menschen sich für´s Weiterackern und Wettkampfsegeln entscheiden, denn das kennt man wenigstens und das gibt Sicherheit. Auch wenn es unglücklich macht und weh tut. Denn die Alternative ist im Zweifel…eben diese nackte Angst. Was mache ich da eigentlich, wohin soll es jetzt gehen? Wo sind die anderen hingesegelt und wenn ich sie finde, will ich sie dann noch in meinem Leben haben?

2. Vollkommende Planungslosigkeit an Bord
Neben meinem neuen Begleiter namens Angst gesellte sich schnell sein Kumpel Planungslosigkeit dazu. Auch wenn ich vorher an einem imaginären Wettkampf im Segeln auf dem Meer des Lebens teilgenommen hatte – ich dachte wenigstens, ich wüsste, was ich da tue. Jetzt wusste ich gar nichts. Mein Kopf feuerte pausenlos Gedanken ab wie „Wenn du jetzt schnell machst, dann kriegst du die anderen noch! Du hast einfach eine Krise, die geht vorbei, wenn du fix wieder zum alten, bewährten Trott zurückkehrst! Die anderen sind doch meilenweit von dir weg und jede Minute wird es mehr Abstand!“ Ja, das Gedanken-Kanonenfeuer an Bord, das hatte seinen Job verstanden.

3. Totale Hilflosigkeit unter´m Kiel
Mir fehlte der Halt. Ich hatte den Boden unter den Füßen verloren und festgestellt, dass ich nie einen Kompass gehabt hab. Ich war mir sicher, dass ein Arzt die Diagnose „Depression“ auf einen Schein geschrieben hätte und was ich ebenso wusste war, dass dieses Erleben hier schon der Schritt darüber hinaus war. Im positiven Sinne!

Neben dieser Hilflosigkeit, die ich mir weder erklären, noch jemanden darüber befragen konnte, sah ich am Horizont etwas näher kommen, von dem ich wusste, dass es mir beim Aufstehen helfen würde.

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Wellness mit Männern – ein Erlebnis mit Bericht (Teil 2)

Wir sitzen alsbald in einem Whirlpool. Alpiennes- Bergerlebnis für Zwei. Es sprudelt und spritzt, es leuchtet und duftet. Wir nippen am Sektchen und knabbern an Gebäck. Hach, wie romantisch! Worüber sonst keiner schreibt, kommt jetzt.

Jörn ist viel größer und breiter als ich. Der Kerl füllt mit seinen Schultern die gesamte Rückwand des Pools aus. Ich hingegen, ich sitze quasi zwischen den Düsen und muss mich von links nach rechts bewegen, wenn ich an bestimmten Stellen in Nacken und Rücken massiert werden mag. Tue ich das nicht, schießen zwei Mörderdüsen an mir vorbei ins Wasser, was wiederum für Blubberblasen vom Feinsten sorgt. Diese wiederum platzen anscheinend alle direkt vor meinem Gesicht. Jörn schaut also auf seine Frau, die entweder unruhig an der Wannenwand herumfährt oder, wenn sie mal zur Ruhe kommt, spuckt und hustet.

Ladies, in so einem Moment kannst Du weder süffisant einen Schluck aus Deinem Prosecco-Glas nehmen, noch laszive an einem Gebäckstück knabbern!

Nach zwanzig Minuten Badezeit schaltet sich der Whirlpool von selbst aus und wie von Geisterhand fliest das feine Kräuterwasser den Abfluss hinab. Jörn steigt entspannt aus dem Bade empor und ich… möchte es ihm elegant gleich tun, als er mir den Bademantel reicht, bleibe aber kineästhetisch begabt mit meiner Wade am Wasserhahn hängen. Noch viele Wochen später habe ich eine Erinnerung an diesen Moment in meiner Haut verewigt.

So kommt es auch, dass ich während der anschließenden Paarmassage viel damit zu tun habe, den Schmerz in meinem Bein wegzuträumen. Es fällt mir allerdings wirklich leicht, denn meine Masseurin Sabrina (jaaaaa, wer diesen Namen trägt versteht seinen Job) weiß, was sie tut. Jörns Masseurin offensichtlich auch, denn der liegt neben mir und stöhnt hin und wieder unterdrückt auf. Ich drehe meinen Kopf ab und zu in seine Richtung, nur um zu überprüfen, ob wir tatsächlich beide dieselbe Massage bekommen.

Als wir zurück in unser Zimmer gehen (ich humpelnd, Jörn schwebend) verbuche ich das Erlebnis als vollen Erfolg. Den nächsten Ehejahren steht weder Meditationsgongs noch Paarmassagen irgendetwas im Weg. Danke, oh Herrgott!

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Salz auf unserer Haut
Jörn und ich flanieren später durch Guglwalds Pool-Landschaft. Wir entdecken ein Schild, auf dem eine in warmes Licht getauchte Steingrotte zu sehen ist, in deren Mitte ein gemütlich wirkendes Bett das Zentrum bildet. Roséfarbene Salzsteine laden uns dazu ein, uns mit Soledampf besprühen zu lassen. Jörn ist sofort begeistert und besorgt Jetons, die man benötigt, um sich eine Salzgrotte zu öffnen.

Wenige Minuten später liegen wir beide auf dem Bett und es passiert…. Nichts. Weder ein schummriges Licht, noch der Bildschirm über dem Bett machen irgendwas. Gerade als Jörn aufstehen und zur Rezeption gehen mag, geschieht doch noch etwas. Aus einer Düse über dem Bett kommt kalter Dampf, der muffig riecht und salzig schmeckt. Ich huste. Wir gucken uns an und lachen lauthals.
„Oh wie romantisch!“ prustet Jörn und nimmt mich in den Arm. Ich liege im Bikini da und warte auf die 40 Grad Celsius, die man uns versprochen hat. Weil er gerne das Beste aus Situationen wie solchen macht, reckt Jörn sein Gesicht dem Dampf entgegen, wenn er rausschießt. Ich hingegen verberge mein Gesicht in seiner Brust und warte auf die Wärme der Grotte – die da nie kommen wird.

Zwanzig durchgefröstelte Minuten später erklimmen wir die Treppen hinauf ins Wellnessbad. Die Sache mit der Salzgrotte… verbuchen wir als Prüfung unserer Ehe, auch in schwierigen Momenten zusammen zu halten und uns Wärme zu spenden, wenn die Welt um uns herum kalt geworden ist.

Zurück zum Badezimmer (siehe Teil 1). Jörn und ich teilen unsere Begeisterung für das Saunieren und feiern die Möglichkeit, jederzeit zusammen schwitzen zu können, ausgiebig. Abwechseln saunieren wir, trinken Wässerchen und Tee, lesen in Büchern und Zeitschriften, sitzen im Erker oder auf dem Balkon, beginnen den Prozess von vorne und so weiter. Das ist Erholung pur! Nachdem man uns davon überzeugt hat, dass Internetzugang absichtlich nur in der Hotel-Lobby zur Verfügung steht, arbeiten wir auch nicht, sondern räkeln uns in den Bettlaken.

Die Bettlaken. Auch so ein Thema. Wir fühlen uns so wohl darin, dass wir tatsächlich in die örtliche Weberei fahren und dort diese Bettwäsche nähen lassen. Wir beschließen erst danach uns zu merken, dass Gongbäder und Paar-Massagen auch unsere Gehirne so sehr entspannen, dass wir unbesonnene Entscheidungen an der Finanzfront treffen.

Nach fünf wunderbaren Tagen ist es vorbei. Hinter uns liegt die Weltbeste Hochzeitsparty, die wir je besucht haben. Es war unsere eigene. Wir blicken auf wunderschöne Wellness-Tage zurück und als wir zurück nach München fahren glauben wir beide, zusammen unbesiegbar zu sein.

Zieh Dich warm an, Welt.

Mit After-Work Schnitzing in 5 Schritten zur inneren Ruhe finden

Vergiss After-Work Party in München oder sonst wo auf der Welt. Du kannst auch getrost ein Anti-Aggressionstraining sparen. Eine gibt eine besondere Art der Stressbewältigung samt Sport, gepaart mit Meditation: Schnitzen.

Das Schnitzen erfüllt gleich mehrere Zwecke gleichzeitig:

1. Entscheidungsmuskel trainieren: Du bestimmst, was entstehen soll
Als erstes bestimmst Du, was aus dem Baumstamm überhaupt werden soll. Anders als in Deinem Leben, steht hier jemand neben Dir (die Bildhauerin/der Bildhauer), der Dir sagt, was für einen Anfänger geeignet ist und was nicht. Meine Freundin Laura beschließt, eine Eule zu erschaffen und Janine mag ein Herz samt Unendlichkeitssymbol hervorzaubern – während ich eine Weltkugel aus meinem Stamm werkeln will. Wir haben klar im Kopf, was wir wollen und wenig bis keine Ahnung, wie wir dorthin kommen sollen. Dieser Zustand kommt uns bekannt vor.

IMG_11312. Aggression und Angst abbauen: Einfach mal drauf hauen auf das, was im Weg steht
Du stellst Dir den Kopf eines Menschen vor, den Du so richtig gerne mal Ohrfeigen würdest. Alternativ kann Dein Baumstamm auch für eine Eigenschaft stehen, die Du an Dir selbst total ätzend findest. Dazu reicht Dir der Fachmann oder die Fachfrau ein Stück Baumstamm (Linde lässt sich besonders gut bearbeiten) sowie einen richtig schweren Hammer plus Schnitzer. Und dann rammst Du volle Möhre Deinen Schnitzer in den Baumstamm. Immer und immer wieder, bis Du nicht mehr kannst. Dabei hilft ein Mantra: „Verzieh Dich aus meinem Leben, verzieh Dich aus meinem Leben…“ oder netter: „Mit jedem Schlag befreie ich mich von Dir, mit jedem Schlag befreie ich mich von Dir…“.

IMG_11643. Frustration gegen Gelassenheit eintauschen: Akzeptieren, dass es nicht immer nach Plan läuft
Wir kloppen stundenlang an zwei ganzen Tagen wie die Bekloppten auf unsere Baumstämme ein. Egal wo ich hinblicke, ich erkenne nichts von dem, was wir erschaffen wollen. Lauras Eule sieht aus wie ein Hinkelstein, Janines Herz gleicht einer unförmigen Wolke und meine Weltkugel imitiert den Uluru/Ayers Rock in Australien. Wir fluchen, dann freuen wir uns, trösten einander, werden wieder sauer und fluchen, dann freuen wir uns… Es ist ein stetes Wechselbad der Gefühle mit Aufs und Abs. Wie im richtigen Leben. Dabei sind wir nicht allein. Unser Nachbar macht dasselbe durch. Jeder von uns hämmert wie irre, gibt schließlich auf, macht dann trotzdem weiter und findet jemanden, dem es genauso geht.

4. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten: Wissen und spüren, dass es gut sein wird
Es dauert ungefähr 12 Stunden, bis wir erkennen, dass unser Werk gut ist. Laura steht vor Eule „Ursula“ und sie sieht tatsächlich aus wie eine richtige Eule. Ihren Silberblick hat sie abgelegt und ihr krankes-Huhn-Outfit gegen Eulenkostüm getauscht. Jetzt thront sie stattlich auf ihrem Baumstamm. Janines „Herz mit Unendlichkeit“ strahlt mit voller Kraft und zeigt das, was es ist. Und meine Weltkugel? Die fühlt sich rund an. Die Mühe hat sich gelohnt, nicht nur, weil wir unser Ziel erreicht haben. Der Weg dahin war das Faszinierende, denn neben körperlicher Ausgeglichenheit ist auch unser Kopf angenehm leer und leicht.
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5. Hackschnitzel wegräumen: Spuren des Kampfes beseitigen und Wunden pflegen
Um uns herum liegen Hackschnitzelberge. Laura klebt noch ein Pflaster auf ihre Finger und ich creme meine abgeschmirgelten Hände ein. Lediglich Janine hat es geschafft, ohne Verletzungen aus der Nummer raus zu kommen, zumindest behauptet sie das. Ich meine, einen leichten Hinkebein-Gang bei ihr zu beobachten, als wir uns glücklich verabschieden. Wir haben es geschafft! Was zu Beginn ein unförmiges Stück Holz war (Dein Leben) ist nun ein persönliches Meisterwerk (Eule, Herz und Welt) – es liegt eben im Auge des Betrachters, für welche Sicht er sich entscheidet.

Auf dem Nachhauseweg erzählt Laura von der Bedeutung der Pflanze „Thymian“. Im Mittelalter steckten die Frauen ihren Rittern einen Thymianzweig in die Rüstung, denn er steht für Schutz und Mut während einer Schlacht. Als ich an diesem Abend ins Bett gehe, blinkt mein Handy: Laura hat mir ein Bild von einem Thymian geschickt. Ich will nicht behaupten, dass das Leben aus Schlachten besteht. Es besteht AUCH aus Kriegen, Kämpfen, Angriff und Verteidigung. Doch was macht das schon, wenn Du Menschen in Deinem Leben hast, die wissen, wann Du dringend einen Schnitzkurs brauchst oder Thymianzweige?


Exkurs: Was sich hinter dem Baumstamm verbirgt
Dein Baumstamm ist quasi Dein momentaner Zustand. Das, was aus Dir heraus nach außen will und etwas zu sagen hat. Was auch immer wir nun damit anfangen, wenn wir die Symbolik unserer Skulpturen betrachten, hier kommen Eule, Herz und Welt:

Eule:
Die symbolische Bedeutung von Eulen ist faszinierend. Einerseits gelten Eulen in den unterschiedlichsten Kulturen als Symbol der Weisheit und des Guten. Andererseits gelten sie als Unglücksbote und Sinnbild des Bösen. Sie ist Beschützerin und Begleiterin, sogar über den Tod hinaus, wenn sie die Seele des Menschen ins Jenseits begleitet. Indianerstämme sehen in ihr ein Krafttier, das für einen Menschen steht, der gerne anderen Menschen hilft und dabei im Zweifel auch seine Gesundheit vernachlässigt.

Herz:
Das Herz steht in unterschiedlichen Kulturen für den Ort der Intuition und Weisheit. Es ist auch der Ort der Liebe. Zusammen mit dem Gehirn bildet es das Gleichgewicht der Gedanken. Das Herz steht für das Zentrum allen Seins und das Tun im Nichtstun. Es symbolisiert die Mitte zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, es erkennt die fließenden Übergänge zwischen beiden und ist die erste Instanz, die den Wandel im Leben erspüren lässt.

Unendlichkeit / liegende Acht:
Das Symbol der Unendlichkeit oder liegenden Acht steht für Beständigkeit und Logik im Paradoxon. Es verdeutlicht das Spiel der kosmischen Kräfte und die ewige Seele, die darin ihre Ruhe findet. Das Unendlichkeitssymbol bedeutet außerdem Liebe, Freundschaft, Rettung und Reinigung.

Weltkugel:
Ein Symbol universeller Hoffnung und Bestrebung, Welterkenntnis und Bildung. Die Weltkugel steht auch für Macht, Sieg und Patriotismus. In Märchen stehen Kugeln jeweils für Aspekte des eigenen Selbst. In der Antike stand die Kugel, als vollkommenste aller Formen geltend, für ein Abbild der Seele. Die Kugel gilt außerdem als Symbol für Vollständigkeit und Ganzheit. Sie steht außerdem für die Gesamtheit dessen, was alle Gegensätze aufhebt. So kann die Kugel auch für das Streben der Psyche gesehen werden, die Gegensätze im Leben zu vereinen um Gleichgewicht herzustellen.

Lust auf After-Work-Schnitzing?

Betina Fichtl-Haberland
Schäferweg 8
85221 Dachau
Telefon:08131-353 009
Mobil:0179-524 33 95

Wellness mit Männern – ein Erlebnis mit Bericht (Teil 1)

Wäre ich die Betreiberin des „Guglwald“, ich würde wenigstens eine der Suiten „Guuglewald“ nennen. Meine grandiose Idee verflüchtigt sich in jenem Moment, als Jörn und ich die „Leiterwagen-Suite“ betreten. Mich haut es schier gar um! Wir betreten ein Zimmer, so groß wie unser Schlafzimmer, Wohnzimmer und Badezimmer zusammen. Ich stehe in der Diele und blicke auf eine riesige Badewanne, die freistehend im Wohnzimmer glänzt und mir charmant zuzwinkert. Danach schielt sie grinsend auf Jörn und… ich zähle die Stunden bis zum Abend. Da wurde mir Rotwein in der Badewanne versprochen. Vor mir liegen vier Tage Wellness, sechs-Gänge-Menü und mein frisch angetrauter Ehemann.

Während ich noch mit der Badewanne flirte, schmeißt sich Jörn mit einem Seufzer in den Leiterwagen. Meine anfängliche Sorge, hier einigermaßen rustikal in Heu und Stroh gebettet zu liegen, wird just begraben. Heu und Stroh sind hier gebändigt hinter Glaswänden. Ein schönes großes Bett haben sie da in die Angebote gezimmert, die Guglwald-Leute. Sieht tatsächlich aus wie ein grooßer Leiterwagen.    IMG_1077

Meine Entdeckungstour durch das größte Hotelzimmer, das ich je betrat, geht weiter. Das Badezimmer und ich machen Bekanntschaft und was soll ich sagen? Es ist Liebe auf den ersten Blick. Ich meine, was soll ich machen, wenn mir ein Badezimmer mit Sauna begegnet? Wenn mir ein Badezimmer sagt, dass ich ungestört und von Stille umrahmt, ohne schwitzende und plappernde Menschen um mich herum vor mich hin tropfen kann, dann hat es meine Liebe verdient.

Ich setze mich auf einen der Flauschteppiche und lege mich dann der Länge nach hin.

„Ähm? Hast du Kreislaufprobleme? Wenn du einen Prosecco willst, dann…“ fragt Jörn besorgt.
„Nein, ich wollte nur mal testen, was Phaedra so toll an solchen Teppichen findet.“
Phaedra ist unsere Hündin. Sie wird von „Hundeomi und Hundeopi“ behütet, während ihre Menschen auf Mini-Hochzeitsreise sind. Ich vermisse sie meistens so dermaßen, wenn wir ohne sie verreisen müssen, dass ich komische Sachen mache…
„Du spinnst“, grinst Jörn, kommt aber zu mir runter und streichelt über den Teppich mit seinen langen Flusen. Ha!
„Klare Sache. Weich, flauschig, warm. Zusätzlich super Material zum Schnauze massieren.“ Der Analyst und Schnellversteher weiß sofort, was den Hund auf Teppiche treibt.
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Wie man Gong-Klangbäder und Paar-Massagen an den Mann bringt

Am Abend sitzen wir beseelt bei einem romantischen Dinner mit sechs Gängen. Das machen wir drei Abende hintereinander so: Dinner, Badewanne/Sauna, Leiterwagen. In der Reihenfolge. Und am Tage?

Nach unserer ersten Nacht schaffen wir es gerade noch so zum Frühstück. Ein gutes Zeichen, denn normalerweise stehen die Sonne und ich gemeinsam auf. Noch während des Frühstücks bleibt mir fast das Gäbelchen Rührei im Halse stecken, weil ich mich frage, wer meinen Mann entführt und stattdessen diesen Typen in das Jörn-Kostüm gesteckt hat, der jetzt folgenden Satz spricht:
„Wollen wir danach das Gong-Klangbad mitmachen?“

Ich starre kurz zurück (gefühlt Stunden, aber ich weiß, dass es sich bei meinen gefühlten Stunden meist um Sekunden handelt) und nicke dann langsam. Ich glaube, mein Mund stand dabei offen und ich hatte das besagte Rührei wie gesagt noch nicht geschluckt und… Naja, schwamm drüber. Jörn schaut bei so was diskret weg.

Wir liegen eingepackt in Kuscheldecken im Meditationsraum unter dem Dach und lauschen den Klängen von Gong, Klangschale und Co. Nur wir beide und die Dame, die spielt. Wenn Du noch nie vor einem Gong gelegen hast, dann kannst Du Dir das Gefühl in etwas so vorstellen wie jenes, das in Deinem Zwerchfell passiert, wenn Du vor einem großen Lautsprecher auf Konzerten oder in Diskotheken stehst. Der Unterschied ist, dass es beim Gong-Erlebnis friedvoll zugeht, Du ganz bei Dir sein kannst, Dein gesamter Körper sanft vibriert und nicht nur Dein Zwerchfell.

Wir driften beide in andere Sphären ab und brauchen ein paar Minütchen, bis wir wieder ganz auf der Erde sind. Auf jeden Fall schleichen Jörn und ich fett grinsend und entspannt zurück in unsere Leiterwagen-Suite. Was dreißig Minuten Entspannung bewirken ist der Kracher.

Während ich vergnügt im Massage-Angebot blättere, bleibt mein Blick auf den Paar-Massagen hängen. Ich denke: Jetzt oder nie! Wenn er heute Morgen das Gong-Ding angeboten hat und jetzt noch high von der Klangreise ist, dann hab ich gute Chancen.
„Süßer, sag mal. Hättest Du Lust auf eine Massage mit mir?“ frage ich beiläufig. Merken Mädels: geschlossene Fragen stellen bei so was.
(Pause.)
Es dauert einen kurzen Moment und er sagt „Ja.“

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Von dort, wo ihre Flügel im Takt mit meinem Herzen schlagen – Sabrinas Eheversprechen

Ich verspreche Dir heute
von der Stelle aus
wo meine Schmetterlinge wohnen
von dort
wo ihre Flügel
im Takt mit meinem Herzen schlagen

dass ich
ganz ich selbst bleibe
und immer mehr diejenige Frau werde
die ich sein kann.

Manchmal mit Dir und
manchmal auch ohne Dich.

Ich verspreche
Dir stets den Raum zu lassen
um ganz Du selbst zu sein
und immer mehr derjenige Mann zu werden
der Du sein kannst.

Manchmal mit mir und
manchmal auch ohne mich.

Ich verspreche
mich in unserer Ehe
niemals leichtfertig zu versprechen
sodass nicht gar einmal
aus einem Eheversprechen
ein Eheverbrechen wird.

Ich verspreche
Dir mein Licht zu zeigen und
dass Du meine Schatten kennst
und irgendwann

alt und grau
werde ich neben Dir sitzen und
Geschichten erzählen von unserer Liebe und
jede davon wir dann
unsere Wahrheit gewesen sein.

Genau wie dieses Eheversprechen heute.

München, 05.09.2015

sabrinas eheversprechen

Der Wächter vor Deinem Schneckenhaus – Jörns Eheversprechen

Dein höchster Wert ist Freiheit. Wir wären niemals so weit gekommen, hätte ich versucht, Dich einzuschränken. Du bleibst, weil Du jederzeit Deine eigenen Wege gehen kannst.

So, wie es ein schönes Gefühl ist, wenn sich ein Vogel aus freien Stücken bei Dir niederlässt und für mich ein schreckliches, ihn eingesperrt im Käfig zu halten, nur damit er nicht weg fliegt, so will ich, dass Du gerne in meiner Gesellschaft bist und mich begleitest, weil Du es willst.

Versprechen kann ich Dir somit, dass ich Dich in Deinem Bedürfnis nach Freiheit nicht nur nicht einschränken werde, sondern Dich gerne unterstützen möchte, Deine Freiheitsliebe auszuleben.

Ich verspreche Dir, immer ehrlich zu Dir zu sein. Ich werde Dir offen meine Meinung sagen und Dich so spiegeln, wie Du auf mich wirkst. Ich werde Dir ein verlässlicher und aufrechter Mann sein – klar, ehrlich und gerade heraus.

Ich möchte Dich Lächeln und Lachen sehen! Ganz wie im Lied zu unserem Einzug: „All I need is you, smiling at me“ verspreche ich Dir, Dir Gründe dafür zu geben – ich bin sicher, mir fällt da was ein…

Aber auch wenn es mal keinen Anlass zur Freude gibt, wenn Du traurig bist, verzweifelt, Dich schwach oder hilflos fühlst: Ich verspreche Dir, dass ich mit Dir gemeinsam auch durch jedes Tal der Tränen gehen möchte, mit Dir weinen werde, Deine Stütze sein werde, Dein Mann, Dein Wächter vor Deinem Schneckenhaus.

Ich werde Dir mit Liebe und Respekt begegnen. Niemals werde ich versuchen, Dich klein zu machen (Gott helfe mir, sollte ich das versuchen… Deine Hitze würde mich verbrennen!), um mich zu überhöhen. Ich möchte Deine Ansichten und Taten gerne mit Dir teilen, sie aber nicht verurteilen, wenn sie nicht meiner Sicht entsprechen.

Ich werde sie respektieren und lieben, weil es Deine sind.

Das, liebe Sabrina, verspreche ich Dir!

München, 05.09.2015

Wächter Schneckenhaus

Das kann man von Jon Snow sicher lernen

Achtsamkeit findest Du an jeder Ecke – sogar in Game of Thrones. Ja, ich hab nicht schlecht gestaunt! Als modernes Schlagwort getarnt, reiht sich Achtsamkeit für mich direkt ein neben Nachhaltigkeit. Kaum jemand hat gespürt, was beide Modewörter in der Tiefe bedeuten. Zum Einstimmen schreiben schon mal unzählige Autoren dazu, quasi das Warmlaufen vor dem eigentlichen Tun im Nichtstun.

Ich möchte eine Sache vorneweg klarstellen: Ich weiß nicht, was Achtsamkeit bedeutet.

Lektionen in Achtsamkeit
Vorige Woche hat mir S. (die namentlich nicht genannt werden will, weil sie das Internet als moderne Pest ansieht) die nächste Lektion in Achtsamkeit erteilt. Ich wusste danach, dass ich echt nichts weiß. Diese Erkenntnis hatte Ygritte ebenso wie Sokrates, ich hinke wohl in mancherlei Hinsicht der Menschheit hinterher. Vielleicht liegt es auch in einer gewissen Naivität verankert, welche die Jon Snows dieser Welt begleitet, dass wir an Gemeinschaft glauben und für sie eintreten, während andere die Messer hinter unseren Rücken wetzen. Mich begleitet auch ein Geist, meiner heißt Phaedra. Die Hinweise verdichten sich.

Tja, nun schreibt George Martin keine meiner Lebensgeschichten… oh Gott, zumind
est hoffe ich das?! Haben wir vielleicht…alle was übersehen? Scherz beiseite…

Was haben Achtsamkeit und Jon Snow gemeinsam?
Was ich weiß ist, dass ich nichts weiß. Ich danke Sokrates von Herzen, dass er das schon mal für die Menschheit klar gestellt hat. Damit möglichst viele Menschen nochmal dran erinnert werden,Jon Snow Game of Thrones Achtsamkeit hat Sokrates seine Idee in George Martins Kopf gepflanzt und Ygritte nochmal mit einem Satz ins Rennen geschickt, der die Welt umrundet hat. Massentauglich und multimedial: „You know nothing, Jon Snow!“

Klasse Marketing, Sokrates! Es steht jetzt auf T-Shirts, Bildschirmschonern, Youtube, Twitter, Facebook, Instagram usw.

So müssen wir das Rad nicht nochmal erfinden, auch wenn wir Altbekanntes gerne mal aus Neuentdeckung verkaufen. Seit ich weiß, dass ich nichts weiß, lebt es sich leichter für mich. Ich vergesse nur manchmal, dass ich nichts weiß. Dann wird das Leben schwer. Wenn ich mich dann erinnere, dass ich nur Ideen von einer (meiner) Wirklichkeit habe, dann geht es wieder. Schwupps, wird das Leben wieder ganz leicht.

Das erste Fazit in der Achtsamkeit
Eine Lektion in Achtsamkeit. Ich weiß, dass ich nichts weiß und erinnere mich daran, sobald sich das Leben schwer anfühlt. Dann weiß ich wieder, dass ich nichts weiß und das Leben wird friedlich.

Me: “You know what, Jon Snow?”
Jon Snow: “Nothing?”
Me: “I don´t know.”

Was wäre wenn… Morning-Songs in Deinem Kopf gar kein Hirnspuk wären?

Nee, keine Sorge, ich bin nicht verrückt geworden und höre jetzt singende Stimmen in meinem Kopf. Was anderes ist am Start, Du kennst es sicher, dieses Phänomen: Du wachst auf und ein Lied spukt in Deinem Kopf umher. Was wäre wenn… dieser Hirnspuk gar keiner wäre?

Wenn man mit Shakespeare im Bett aufwacht
Heute Morgen bin ich mit den Shakespeare Sisters aufgewacht. Die Mädels hatten es sich mitten in meinem Gehirn breit gemacht mit ihrem Song „Hello, turn your radio on“. Da hab ich mich diesmal gefragt, ob ich vielleicht was verpasst hab und mehr dahinter steckt, als Synapsengewitter. Als ob da im Irgendwo irgendjemand säße, aus dessen Sicht gerade ein Wink mit dem Zaunpfahl in meine Richtung passiert. Meine Wenigkeit aber vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Kann ja passieren, so was.

Ich hab mich also mal dran gemacht den Text zu googeln. Hallo?! Mach Dein Radio an. Das Radio ist in diesem Fall Deine Wahrnehmung, Deine hellwache Intuition und Dein begnadeter Geist.

Hirnspuk Lieder im Kopf

Da rennt sie betrunken durch die Straßen, so spät dran, dass bereits der Zeitungsjunge unterwegs ist und die neuesten Schlagzeilen durch die Gassen brüllt. Sie fühlt sich beschissen und ich glaube, eigentlich hätte der Alkohol das Gegenteil bewirken sollen. Wieso fühlt sie sich so niedergeschlagen, wenn doch überall gesagt, getwittert, geschrieben und gepostet wird, dass wir uns gut fühlen können, sollen, wollen und müssen. Da ruft sie am nächsten Morgen nach Hilfe, hinaus in die Welt. Ist da irgendjemand, der sie versteht und ihr helfen kann, ihr eigenes Lied zu singen? Das Lied, das ihr eigenes und selbstbestimmtes Leben ist, das nur ihr gehört und sie glücklich macht. Das Leben ist so verdammt seltsam. Gerade wenn Du glaubst, dass Du es kapiert und im Griff hast, rinnt es Dir durch die Finger und entgleitet. Wieder beginnst Du von vorne, bis Du an den Punkt kommst, in der Deine eigenen Wunden bedeutungslos werden und die der anderen erst recht. Du hast keine Ahnung wer Du eigentlich bist und musst mit Deinen Freunden zusammen sein, um überhaupt noch ein Gefühl zu spüren. Nun bekommst Du Honig serviert und fragst die anderen, ob er wirklich süß schmeckt, wenn Du ihn isst. Und ob man ihn mit den Händen oder besser mit den Füßen probiert? Hört eigentlich irgendjemand wirklich zu, wenn Du etwas sagst? Oder kann es sein, dass Du nächste Woche alles noch einmal erzählen musst?

Wow, das Mädel ist verzweifelt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nicht alleine ist mit diesem Verlorensein, das sich unweigerlich einstellt, wenn Menschen nicht begreifen können, wer sie sind und was sie hier auf diesem Erdball überhaupt sollen. Mir ging es zumindest so, damals, als ich noch schlief während ich mühselig das tat, was ich als leben bezeichnete.

An jeder Ecke hängt ein Wegweiser für ein phantastisches Leben
Manchmal singt das Unterbewusstsein die Lieder, die wir brauchen, direkt nach dem Wachwerden, um wach zu werden. Nicht um den Tag zu beginnen, sondern die Suche nach uns Selbst. Ganz tief in unserem Kern steckt die Antwort auf alle Fragen. In einer Welt, in der Du für beinahe jeden Deiner Schritte und Entscheidungen eine vermeintliche Hilfestellung von Menschen bekommst, die es vermeintlich besser wissen wie es geht, ist für diese Wahrheit vielleicht noch wenig Platz.

Die Verantwortung für die eigene Wahrheit, die eigene Bestimmung, den eigenen Weg zu übernehmen macht Angst. Wo die Angst wohnt, ist der Mut der Nachbar und die Liebe wohnt zwischen den beiden. Und wenn der erste Schritt der ist, die Lieder im Kopf am Morgen als sanfte Wegweiser zu nutzen, dann machen wir das doch einfach.

Es tut nicht weh, versprochen. Ich sitze gesund und munter vor meinem Laptop und beginne jetzt den Tag. Vielleicht lese ich heute Abend Shakespeare vor dem Zubettgehen.

Lass krachen 😉