Dein Glück mit tierisch kalter Schnauze

Wir suchen ständig danach, dabei liegt es manchen von uns jeden Tag zu Füßen. Wer einen Hund hat, dem schenkt das Leben gleich vielfaches Glück, inklusive Weg dorthin. Wie das geht?

Ich sitze am Kölner Flughafen in einem Café und frage mich, was diesmal anders ist als sonst. Ein Punkt ist sicherlich, dass ich mehr Zeit bis zum Boarding habe, als es sonst der Fall ist. Einer meiner Studenten, der sich heute tapfer mit seinen angehenden Coach-Kollegen meine Erkenntnisse in der Mensch-Hund-Beziehung angehört hat, hat sich angeboten mich zum Flughafen zu fahren. Eine Stunde, die ich geschenkt bekommen habe. Was nur fange ich mit dieser Zeit jetzt an?

Die Reise zum Glück
Ich tue das, wonach ich mich so oft sehne, wenn ich hektisch durch den Alltag ziehe. Ich will Ruhe. Ich will einfach nur dasitzen, vielleicht etwas lesen und hin und wieder an meinem Kaffee, Tee, Saft oder was auch immer nippen. Das mache ich jetzt. Zusammen mit einem Magazin, das ich irgendwo in der Mitte aufschlage. Dort springt mir die Frage aller Fragen ins Gesicht: Was ist Glück?

Sofort weiß ich, was es NICHT ist. Das stetige Streben nach beruflicher Anerkennung. Das ständige Fragen, ob andere besser oder weiter sind. Wünschen anderer zu entsprechen, an der Vergangenheit festzuhalten, Liebe nur unter Bedingungen zu geben. Der innere Gedankenterror, wenn nachts der Schlaf nicht kommen will. Meine Liste ist lange.

Glücklich werden Glück finden

Wenn das alles kein Glück bedeutet, was ist es dann?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals eine finale Antwort für mich finde. Ich bezweifle sogar, dass es sie gibt und schon alleine das wird dafür sorgen, dass ich recht behalte. Was ich glaube ist, dass sich unser Glück, und was wir als solches empfinden, ändert. Es kann sich in jeder Sekunde unseres Lebens ändern. Besonders schmerzhaft wurde mir das vergangene Woche bewusst. Jörn hatte in Phaedras Hals einen Knoten entdeckt. Ein Tumor, wie wir nun wissen. Während einer Routine-OP wurden zwei Knoten entfernt und wir warten auf das Ergebnis. Gutartig oder bösartig? Wir wissen es noch nicht. Was ich nun mit jeder Zelle meines Körpers weiß ist, welches Glück mein Hund für mich bedeutet. „Wir haben veränderte Zellen festgestellt“, teilten uns die Tierärzte mit.

Ja. Ich auch. Bei mir. Da, wo meine Herzzellen im Körper wohnen, tat plötzlich alles weh. Meine Beine wurden schwach und mein logisches Denken schien sich verkrochen zu haben, um allen Emotionen in mir auf einmal Platz zu machen. „Was zur Hölle…“, hab ich noch gedacht, bevor ich endgültig die Fassung verloren habe. Zuletzt habe ich Wasserfälle geweint, als meine Schwiegermutter gestorben war. Das hier war ein Hund! „Nur“ ein Hund. Nur ein Hund? Scheiße, wer das denkt oder sagt, den bedauere ich. Es war nur mein Hund, der mir beigebracht hat, wie sich bedingungslose Liebe anfühlt. Ehrlich. Nur mein Hund. Kein Mensch. Nur mein Hund.

Das kleine Glück im Alltag kommt riesengroß auf vier Pfoten daher
Für mich ist einer der glücklichsten Momente am Tag, wenn mein Hund mich begrüßt. Wenn wir gemeinsam spazieren gehen. Wenn ich sie beim Mäuschenbuddeln beobachte – und ja, auch wenn ich sie mühelos davon abhalten und abrufen kann. Wenn ich ihr die maximale Freiheit schenken kann, die sie braucht. Als ich spürte, was es bedeutete, dieses Glück zu verlieren, ging für mich die Welt eine kurze Zeit unter.

Ich habe das wunderbare Glück, jeden Tag mit Menschen und ihren Hunden zu arbeiten. Ich weiß sehr sicher, dass Hunde vielen Menschen einen Weg auf machen, um fühlen zu können – was auch immer. Das, was Hunde an Glück, Lebensfreude und Liebe in uns auslösen, bedeutet auch eine wichtige Erkenntnis im Zusammenleben mit Menschen. Wenn ich weiß, wie es sich anfühlt, bedingungslos zu lieben – dann erkenne ich diese Liebe, wenn sie mir im Alltag begegnet. Andernfalls steht sie vielleicht eines Tages vor uns und wir lassen die Liebe vorüberziehen, weil wir sie nicht erkannt haben.

Diese Erkenntnis kam in einem Menschen zustande, der „nur“ mit einem Hund lebt. Vielleicht denkst Du, wenn Du das hier liest, genauso oder ähnlich. Teile diesen Text! Für Menschen, die „nur“ mit einem Hund auch das erfahren, was sich Liebe nennt.

Euch allen, die ihr mit einem Hund lebt: gute Reise! Ich steige jetzt in den Flieger, der mich nach Hause zu meinem Glück fliegt.

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Kinder bringen uns Erwachsenen den Tod näher

Hunde Tod Einschläfern Regenbogenbrücke TiertrauerKinder sind in vielem wie Hunde – das meine ich als Kompliment. Die Welt durch die Augen eines Kindes zu sehen, jeden Augenblick als etwas einzigartiges und kostbares wahrnehmen. Kein erwachsenes Schubladendenken über den Moment stülpen. Wie gerne würde ich das täglich ohne Anstrengung tun! Wahrscheinlich verstehen sie sich deshalb manchmal blind, Kinder und Hunde. Sie lieben beide bedingungslos und blicken vertrauensvoll, bar jeglicher niedriger Beweggründe auf das Leben. Sie verstehen den Blickwinkel des anderen ohne darüber nachzudenken. Ähnlichkeit schafft Nähe und Vertrauen. Beide, Menschenkind und Hund, spüren den Zauber der Welt. Das, was das Leben lebenswert macht. Zuneigung. Respektvoller Umgang. Vertrauen. Kinder solange, wie die Welt der Erwachsenen es zulässt. Hunde für immer.

Vor einigen Monaten las ich einen Artikel über Kinder, die ihre Gefühle ausdrückten, als der Hund der Familie gestorben war. Für viele Familien gehört der eigene Hund gleichwertig in den Kreis von Mutter, Vater und Kindern – eben mit ganz eigenen, hündischen Bedürfnissen. Der Hund wird geliebt. Er macht es seinen Menschen meist einfach, ihn lieb zu haben. Schließlich tut er das, was bei uns als bedingungslose Liebe ankommt. Deshalb schmerzt es auch bitter, wenn er uns verlässt, nach viel zu wenigen gemeinsamen Jahren.

Es ist faszinierend, was Kinder uns mit ihrer Sicht auf das Leben beibringen können. Mindestens genauso beeindruckend finde ich, was sie uns über den Tod lehren, wenn wir sie lassen:

Eine Tierärztin wird von einer Familie gebeten, den alten Irischen Wolfshund „Belker“ zu untersuchen, der seit einigen Tagen schlapp und müde wirkt. Nach eingehender Überprüfung seiner Organe muss sie der Familie, darunter dem sechsjährigen Shane, leider eine schockierende Diagnose mitteilen. Belker hat Krebs, der so weit fortgeschritten ist, dass man ihm nicht mehr helfen kann. Sie bietet Belkers Familie an, zu ihnen nach Hause zu kommen, um ihn in den kommenden Tagen einzuschläfern, damit er in seinem gewohnten Umfeld sterben kann.

Da ist er wieder, der altbekannte Kloß im Hals, der die Tierärztin immer dann besucht, wenn Familien sich um ihren sterbenden Hund versammeln. Shanes Eltern sind der Ansicht, dass es eine wichtige Erfahrung für den Jungen sei, den Vierbeiner bis in den Tod zu begleiten. Während er seinen felligen Freund ein letztes Mal streichelt, wirkt Shane vollkommen ruhig. Die Tierärztin zweifelt bereits daran, dass der kleine Junge überhaupt versteht, was hier gerade passiert. Belker schläft nach kurzer Zeit für immer ein. Eltern und Tierärztin sitzen noch einige Zeit beisammen, darüber sprechend, warum es wohl so sei, dass Hunde so viel weniger Zeit zu leben hätten, als Menschen. Shane bleibt immer noch ruhig, verfolgt das Gespräch aber mit wachen Augen. Auf einmal springt er auf und erklärt bestimmt: „Ich weiß, warum!“ Völlig perplex hören seine Eltern und die Tierärztin die wohl heilsamste Erklärung, mit der wir dem Verlust eines vierbeinigen Freundes wohl begegnen können:

„Menschen werden geboren um zu lernen, wie sie ein gutes Leben führen können – wie etwa jeden Mitmenschen zu lieben, egal wen. Und wie man stets freundlich und fröhlich ist, oder?“ Shane macht eine kurze Pause und sieht zu seinem vierbeinigen Freund. „Naja, Hunde wissen längst, wie das geht. Deshalb bleiben sie auch nicht so lange auf der Erde.“

Mich hat Shanes Sicht auf das Leben und den Tod tief beeindruckt. In diesen wenigen Worten steckt überwältigend viel Weisheit.

Sie sind so nah am Kern ihres Wesens, Kinder und Hunde. Ich wünsche unserer Welt, dass Menschen sie auch aus den Augen eines Kindes wahrnehmen und täglich mit dem Schwanzwedeln eines Hundes begrüßen.

This one goes out to Shane and his parents, but also to the vet who shared this story. Thanks guys, keep chasing your dreams!