My 50 cents to Guggenheim´s Alberto Burri

Ganz oben angekommen, lehne ich mich über das Geländer. Es geht spiralförmig runter von hier. An den Wänden erzählen Bilder von Alberto Burri über Alberto Burri und das, was er nicht in Worte packen konnte. Das ist milde ausgedrückt. Ich finde, sie schreien seinen Seelenschmerz mit vereinten Kräften in die weiße Halle des Guggenheim Museums. Vielleicht wird er sauber da, der Schmerz, und wird gewaschen von allen Besuchern, die das Trauma des Künstlers wahrnehmen können.

Wenn Du das Guggenheim Museum betrittst, erhältst Du gleichzeitig eine Einladung, eine Erlaubnis. Du darfst die Kunst auf Dich wirken lassen, sie darf mit Dir machen, was Du willst und zulässt. Das kommt mir entgegen. Ich habe es einfach gehasst, wenn mir in der Schule Bild- und Textinterpretationen vorgegeben wurden. Da sagte mir ein Lehrer, was ich zu denken und zu fühlen hatte, wenn ich etwas ansah oder las. Hier nicht. Meine Reise durch Burris Kriegstrauma und seinen Seelenschmerz beginnt mit einem Film. Still und tief grabend taucht Il Grande Cretto meine Sinne ein und bringt mich nach Gibellina, Sizilien. 

Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mit ein paar Kunstliebhabern, Kunstprofessoren, Studenten und Händlern in New Yorks Guggenheim Museum völlig berührt staune – ich hätte ihm ein kühles Tuch auf die Stirn gelegt. Heute ergebe ich mich, mal wieder, und krame wie selbstverständlich meinen Notizblock raus. Ich schreibe alles auf, was das Landschaftskunstwerk mit mir macht.

Am 15. Januar 1968 wurde Gibellina durch ein Erdbeben zerstört. Alberto Burri schuf aus den Trümmern der Stadt ein riesige Kunstwerk. Wenn Du Lust hast, schau Dir seine Bilder kurz an und dann Gibellina. Der Kerl hat sich selbst in die Erde Siziliens geschnitzt und mit weißem Zement unsterblich gemacht. Irgendwie ist es das, was viele Künstler möchten, habe ich mir von einigen erzählen lassen. Unsterblich sein durch die Kunst, die sie schaffen. Am liebsten durch das eigene Werk in der Tiefe erkannt werden -von anderen. Schwieriges unterfangen, wenn man mich fragt.

Erst in diesem Jahr, 2015, wurden die Ruinen von Gibellina und Burris Kunstwerk fertig gestellt. Aus dem Leid und den Trümmern eines katastrophalen Erdbebens wurde eine weißes Abbild des Traumas eines Künstlers, das immer noch heilt, während es gesehen wird. Burris Trauma hat sich New York City und das Solomon Guggenheim Museum dafür ausgesucht. Sicher ist, dass es hier von vielen gesehen wird. Ob es auch so erkannt wird, wie es ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall gibt es schlechtere Orte, um wahrgenommen zu werden.

Ich schnappe mir jetzt meinen morgendlichen Café-to-go und das fettigste Schoko-Croissant der Welt. Es geht nach Ellis Island.

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