Was uns Menschen glücklich macht (Aus: Die Glückswelle im Leben surfen)

„Wie eine Karotte an einer langen Stange vor meinem Kopf, während ich dahintrabe“, lautete meine Antwort auf die Frage, wie sich das Glück im Leben manchmal verhält. Ich hatte die Segel gesetzt um meine Glückwelle im Meer der tausend Möglichkeiten zu finden – und auf ihr zu surfen, am liebsten für immer. Im Meer (des Lebens) liegt alles verborgen, was wir wissen müssen und manchmal gehen wir an Land, um das zu erden, was wir erfahren haben.

An diesem Tag lernte ich, wie ein Mensch die Richtung zum eigenen Glück finden kann.

Ich saß gerade sprichwörtlich in der Hafenkneipe und unterhielt mich bei einem Glas Rotwein mit Oliver, der dasselbe Seminar besuchte. Oliver fischte alsbald nach Zettel und Stift und schrieb ein Buch darauf, das er mir empfahl. Ich hatte damals noch die Angewohnheit, in Büchern nach finalen Antworten für mich zu suchen. Vielleicht ging es Oliver ähnlich oder er spürte, dass ich noch nicht in mir selbst lesen konnte. Auf jeden Fall machte ich Bekanntschaft mit den „7 Geheimnissen der Schildkröte“. Ein Land- und Meerestier, natürlich. Die Schildkröte Kurma lehrt, den eigenen Weg langsam zu gehen, im eigenen Tempo. Schon beim Lesen durchdrang mich stetig der Impuls, weiterzublättern und ein paar Seiten zu überspringen. Einfach die letzte Seite lesen und mir den Rest ersparen. Ehrlich, auf mich wirkte die Langsamkeit einer Schildkröte und der Schreibstil der Autoren so entschleunigend, dass ich vor der Ruhe und Stille erschrocken flüchtete, die sich mir auftat.

Glücksgeflüster bei schaukelndem Wellengang
Das Glück hat eine Stimme, jeder Mensch kann sie hören. Sie wohnt überall in uns. Ihre Position ist weder nur der Kopf, noch ausschließlich das Herz. Sie ist die Balance zwischen beiden und durchdringt jede Körperzelle. In der schnelllebigen Zeit unserer Gesellschaft, in der Leistung und Profit verkopft mehr zählen, als das Glück eines einzelnen Menschen, da wird die Stimme des eigenen Glücks systematisch begraben. Dennoch: Das Grab, das Du dem eigenen Glück schaufelst, das kannst Du wieder ausheben!

Stell Dir folgendes vor:
Du segelst auf einem Boot über das Meer. Das Boot, das ist Dein eigener Körper. Das Meer, das ist das Leben. Irgendwann hast Du Dir in den Kopf gesetzt, möglichst schnell zu segeln und weite Distanzen zurück zu legen. Du beobachtest die anderen Segelboote – manche sind schöner, schneller, größer. Andere sind das Gegenteil. Du ackerst tagein, tagaus auf Deinem Boot. Es gibt häufig Stürme, heftigen Wellengang, hin und wieder fällst Du sogar über Bord und brauchst eine Zeit, bis Du Dich wieder erholst. Die Erholungsphase macht Dich schier wahnsinnig, weil die anderen Boote Dich jetzt überholen und sich noch schöner, schneller und größer machen. Und das. während Du herumliegst und Deine Kräfte neu sammeln musst. Du setzt also alles daran wieder gesund zu werden, nur um erneut tagein, tagaus zu ackern, im Wettkampf mit den anderen.

Fragen, die Du jetzt beantworten darfst:  

Wohin segelst Du eigentlich?
Wohin führt Dich Dein Kurs im Leben?
Wofür lohnt es sich, dass Du Dich verausgabst und all Deine Energie aufbringst?
Gegen wen trittst Du in diesem Wettkampf an und für was?

Ich bin ehrlich, hier kommt mein Einwand: Wenn man an einem Wettkampf teilnimmt, dann haben alle Menschen das gleiche Ziel. Sonst kann man nicht messen, wer als erstes angekommen ist. Ich bin auch ein Mensch und versprochen, mich interessiert es nicht die Bohne, Dein Lebensziel zu erreichen.

Zurück zu den Fragen. Ich habe sie alle für mich beantwortet. Die Folge war… SCHRECKLICH!

Das Einholen meiner Segel, das Abstellen meines Motors, das Weitersegeln lassen der anderen Teilnehmer in diesem imaginären Wettkampf – war SCHRECKLICH! Noch SCHRECKLICHER war der Gedanke, weiter zu machen wie bisher. Also…

Glück Sprüche Leben Surfen

Da plätscherte ich dahin, nachdem ich mich selbst meinem vermeintlichen Daseinszweck beraubt hatte. Und dann passierte

1. Angst Ahoi!
Ganz ehrlich, nur schön ist dieses Gefühl nicht. Das, was in Büchern und Filmen immer beschrieben wird von diesen Leuten, die alles über den Haufen schmeißen um ein neues, besseres Leben zu beginnen, das stellte sich bei mir als nackte Angst vor. Hallo?! Ich meine, da strampelst Du wie verrückt Dein halbes Leben vor Dich hin und stellst fest, dass vieles davon für die Katz war und komplett behämmert. Ich kann schon verstehen, dass viele (die meisten?) Menschen sich für´s Weiterackern und Wettkampfsegeln entscheiden, denn das kennt man wenigstens und das gibt Sicherheit. Auch wenn es unglücklich macht und weh tut. Denn die Alternative ist im Zweifel…eben diese nackte Angst. Was mache ich da eigentlich, wohin soll es jetzt gehen? Wo sind die anderen hingesegelt und wenn ich sie finde, will ich sie dann noch in meinem Leben haben?

2. Vollkommende Planungslosigkeit an Bord
Neben meinem neuen Begleiter namens Angst gesellte sich schnell sein Kumpel Planungslosigkeit dazu. Auch wenn ich vorher an einem imaginären Wettkampf im Segeln auf dem Meer des Lebens teilgenommen hatte – ich dachte wenigstens, ich wüsste, was ich da tue. Jetzt wusste ich gar nichts. Mein Kopf feuerte pausenlos Gedanken ab wie „Wenn du jetzt schnell machst, dann kriegst du die anderen noch! Du hast einfach eine Krise, die geht vorbei, wenn du fix wieder zum alten, bewährten Trott zurückkehrst! Die anderen sind doch meilenweit von dir weg und jede Minute wird es mehr Abstand!“ Ja, das Gedanken-Kanonenfeuer an Bord, das hatte seinen Job verstanden.

3. Totale Hilflosigkeit unter´m Kiel
Mir fehlte der Halt. Ich hatte den Boden unter den Füßen verloren und festgestellt, dass ich nie einen Kompass gehabt hab. Ich war mir sicher, dass ein Arzt die Diagnose „Depression“ auf einen Schein geschrieben hätte und was ich ebenso wusste war, dass dieses Erleben hier schon der Schritt darüber hinaus war. Im positiven Sinne!

Neben dieser Hilflosigkeit, die ich mir weder erklären, noch jemanden darüber befragen konnte, sah ich am Horizont etwas näher kommen, von dem ich wusste, dass es mir beim Aufstehen helfen würde.

Weiter geht´s mit „Stille als Rettungsanker“

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4 Gedanken zu “Was uns Menschen glücklich macht (Aus: Die Glückswelle im Leben surfen)

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