Das kann man von Jon Snow sicher lernen

Achtsamkeit findest Du an jeder Ecke – sogar in Game of Thrones. Ja, ich hab nicht schlecht gestaunt! Als modernes Schlagwort getarnt, reiht sich Achtsamkeit für mich direkt ein neben Nachhaltigkeit. Kaum jemand hat gespürt, was beide Modewörter in der Tiefe bedeuten. Zum Einstimmen schreiben schon mal unzählige Autoren dazu, quasi das Warmlaufen vor dem eigentlichen Tun im Nichtstun.

Ich möchte eine Sache vorneweg klarstellen: Ich weiß nicht, was Achtsamkeit bedeutet.

Lektionen in Achtsamkeit
Vorige Woche hat mir S. (die namentlich nicht genannt werden will, weil sie das Internet als moderne Pest ansieht) die nächste Lektion in Achtsamkeit erteilt. Ich wusste danach, dass ich echt nichts weiß. Diese Erkenntnis hatte Ygritte ebenso wie Sokrates, ich hinke wohl in mancherlei Hinsicht der Menschheit hinterher. Vielleicht liegt es auch in einer gewissen Naivität verankert, welche die Jon Snows dieser Welt begleitet, dass wir an Gemeinschaft glauben und für sie eintreten, während andere die Messer hinter unseren Rücken wetzen. Mich begleitet auch ein Geist, meiner heißt Phaedra. Die Hinweise verdichten sich.

Tja, nun schreibt George Martin keine meiner Lebensgeschichten… oh Gott, zumind
est hoffe ich das?! Haben wir vielleicht…alle was übersehen? Scherz beiseite…

Was haben Achtsamkeit und Jon Snow gemeinsam?
Was ich weiß ist, dass ich nichts weiß. Ich danke Sokrates von Herzen, dass er das schon mal für die Menschheit klar gestellt hat. Damit möglichst viele Menschen nochmal dran erinnert werden,Jon Snow Game of Thrones Achtsamkeit hat Sokrates seine Idee in George Martins Kopf gepflanzt und Ygritte nochmal mit einem Satz ins Rennen geschickt, der die Welt umrundet hat. Massentauglich und multimedial: „You know nothing, Jon Snow!“

Klasse Marketing, Sokrates! Es steht jetzt auf T-Shirts, Bildschirmschonern, Youtube, Twitter, Facebook, Instagram usw.

So müssen wir das Rad nicht nochmal erfinden, auch wenn wir Altbekanntes gerne mal aus Neuentdeckung verkaufen. Seit ich weiß, dass ich nichts weiß, lebt es sich leichter für mich. Ich vergesse nur manchmal, dass ich nichts weiß. Dann wird das Leben schwer. Wenn ich mich dann erinnere, dass ich nur Ideen von einer (meiner) Wirklichkeit habe, dann geht es wieder. Schwupps, wird das Leben wieder ganz leicht.

Das erste Fazit in der Achtsamkeit
Eine Lektion in Achtsamkeit. Ich weiß, dass ich nichts weiß und erinnere mich daran, sobald sich das Leben schwer anfühlt. Dann weiß ich wieder, dass ich nichts weiß und das Leben wird friedlich.

Me: “You know what, Jon Snow?”
Jon Snow: “Nothing?”
Me: “I don´t know.”

Was wäre wenn… Morning-Songs in Deinem Kopf gar kein Hirnspuk wären?

Nee, keine Sorge, ich bin nicht verrückt geworden und höre jetzt singende Stimmen in meinem Kopf. Was anderes ist am Start, Du kennst es sicher, dieses Phänomen: Du wachst auf und ein Lied spukt in Deinem Kopf umher. Was wäre wenn… dieser Hirnspuk gar keiner wäre?

Wenn man mit Shakespeare im Bett aufwacht
Heute Morgen bin ich mit den Shakespeare Sisters aufgewacht. Die Mädels hatten es sich mitten in meinem Gehirn breit gemacht mit ihrem Song „Hello, turn your radio on“. Da hab ich mich diesmal gefragt, ob ich vielleicht was verpasst hab und mehr dahinter steckt, als Synapsengewitter. Als ob da im Irgendwo irgendjemand säße, aus dessen Sicht gerade ein Wink mit dem Zaunpfahl in meine Richtung passiert. Meine Wenigkeit aber vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Kann ja passieren, so was.

Ich hab mich also mal dran gemacht den Text zu googeln. Hallo?! Mach Dein Radio an. Das Radio ist in diesem Fall Deine Wahrnehmung, Deine hellwache Intuition und Dein begnadeter Geist.

Hirnspuk Lieder im Kopf

Da rennt sie betrunken durch die Straßen, so spät dran, dass bereits der Zeitungsjunge unterwegs ist und die neuesten Schlagzeilen durch die Gassen brüllt. Sie fühlt sich beschissen und ich glaube, eigentlich hätte der Alkohol das Gegenteil bewirken sollen. Wieso fühlt sie sich so niedergeschlagen, wenn doch überall gesagt, getwittert, geschrieben und gepostet wird, dass wir uns gut fühlen können, sollen, wollen und müssen. Da ruft sie am nächsten Morgen nach Hilfe, hinaus in die Welt. Ist da irgendjemand, der sie versteht und ihr helfen kann, ihr eigenes Lied zu singen? Das Lied, das ihr eigenes und selbstbestimmtes Leben ist, das nur ihr gehört und sie glücklich macht. Das Leben ist so verdammt seltsam. Gerade wenn Du glaubst, dass Du es kapiert und im Griff hast, rinnt es Dir durch die Finger und entgleitet. Wieder beginnst Du von vorne, bis Du an den Punkt kommst, in der Deine eigenen Wunden bedeutungslos werden und die der anderen erst recht. Du hast keine Ahnung wer Du eigentlich bist und musst mit Deinen Freunden zusammen sein, um überhaupt noch ein Gefühl zu spüren. Nun bekommst Du Honig serviert und fragst die anderen, ob er wirklich süß schmeckt, wenn Du ihn isst. Und ob man ihn mit den Händen oder besser mit den Füßen probiert? Hört eigentlich irgendjemand wirklich zu, wenn Du etwas sagst? Oder kann es sein, dass Du nächste Woche alles noch einmal erzählen musst?

Wow, das Mädel ist verzweifelt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nicht alleine ist mit diesem Verlorensein, das sich unweigerlich einstellt, wenn Menschen nicht begreifen können, wer sie sind und was sie hier auf diesem Erdball überhaupt sollen. Mir ging es zumindest so, damals, als ich noch schlief während ich mühselig das tat, was ich als leben bezeichnete.

An jeder Ecke hängt ein Wegweiser für ein phantastisches Leben
Manchmal singt das Unterbewusstsein die Lieder, die wir brauchen, direkt nach dem Wachwerden, um wach zu werden. Nicht um den Tag zu beginnen, sondern die Suche nach uns Selbst. Ganz tief in unserem Kern steckt die Antwort auf alle Fragen. In einer Welt, in der Du für beinahe jeden Deiner Schritte und Entscheidungen eine vermeintliche Hilfestellung von Menschen bekommst, die es vermeintlich besser wissen wie es geht, ist für diese Wahrheit vielleicht noch wenig Platz.

Die Verantwortung für die eigene Wahrheit, die eigene Bestimmung, den eigenen Weg zu übernehmen macht Angst. Wo die Angst wohnt, ist der Mut der Nachbar und die Liebe wohnt zwischen den beiden. Und wenn der erste Schritt der ist, die Lieder im Kopf am Morgen als sanfte Wegweiser zu nutzen, dann machen wir das doch einfach.

Es tut nicht weh, versprochen. Ich sitze gesund und munter vor meinem Laptop und beginne jetzt den Tag. Vielleicht lese ich heute Abend Shakespeare vor dem Zubettgehen.

Lass krachen 😉

So wirst Du reich beim Pinkeln

Reich werden – aber wie? Reich zu werden, davon träumen die meisten Menschen. Ob es sich nun um reich werden im Internet handelt, reich werden ohne zu arbeiten mit Aktien und Immobilien – die Leute haben viele Ideen. Dem finanziellen Reichtum geht etwas bestimmtes voraus. Hier kommt einer der besten Tipps, wie Du sogar während Pippi-Pausen den ersten Schritt zum wirklichen Reichtum gehen kannst:

Seit knappen zwei Stunden sitze ich bei Tet a Porter, meinem Friseurteam in der Versailler Straße in München. Bei meinem Friseur habe ich gelernt, dass mir der Reichtum auf dem Fuße folgt, wenn ich tue, was ich liebe. Noch bevor ich es mir auf dem Friseurstuhl bequem gemacht habe, besuchte ich den Ort, den ich dank erhöhtem Kaffee- und Teekonsum ganz gerne mal kennen lerne. Falls Du mal bei Tet a Porter vorbeischaust, lass es Dir nicht nehmen, die Haltung anzunehmen, die es braucht, um dieses Plakat hier auf Dich wirken zu lassen:

 tet a porter

„Tue das, was Du liebst und Reichtum wird die Folge sein“

Bedeutet reich zu sein denn ausschließlich finanzielle Unabhängigkeit? Blödsinn. Ich glaube den Betreibern dieses Salons, dass sie selbst glauben, was auf ihrem stillen Örtchen steht. Das Team geht herzlich miteinander um. Selbst in Stoßzeiten habe ich hier nie erlebt, dass Respektlosigkeit oder Halbherzigkeit gegenüber Kunden oder Team-Mitgliedern passieren. Für mich ist ein weiterer Indikator für die Liebe zu ihrem Beruf, dass keine Haarpflegeprodukte benutzt werden, die durch Tierversuche getestet wurden. Tigi und Paul Mitchell stehen in den Regalen und ich kann mir aussuchen, was ich lieber haben mag. Mir wird nix aufgeschwatzt.

tet a porter

Während Claudi, meine Stylistin, in meinen Haaren wühlt, schlürfe ich Muffin-Tee und lasse mich zum Thema Paleo-Ernährung aufklären. Nebenan sitzt ein Kunde, der sich sofort einschaltet:
„Also ich hab mich ja mal ein Jahr lang nur mit Reis ernährt. Habt ihr gewusst, dass die Ernährung bei Frauen eine sehr wichtige Rolle spielt im Bezug auf Gemütsschwankungen?“
Claudi hält kurz inne und kreischt scherzhaft zu dem Kunden rüber: „JA! Ich hab gar keine SCHEISSLAUNE, ich hab nur UNAUSGEWOGEN GEGESSEN heute!“
Wir lachen alle, die Stimmung ist klasse.
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Ich schiebe mich am Hundekörbchen vorbei nach draußen. Nee, hier gibt es keinen Friseursalon-Hund. Leider. Was es dafür gibt, ist der Hund vom Nachbarn, der hier sein zweites Zuhause tagsüber gefunden hat. Nachdem er immer wieder zu Besuch im Salon vorbei kam, hat die Betreiberin ihm kurzerhand ein Körbchen und viele Leckerlis besorgt. Einfach so, weil der Vierbeiner ein feiner Kerl ist. An der Kasse von Tet a Porter steht eine Dose für Kleingeld und Scheinchen. Das Team hat keine Kaffeekasse, aber eine Spendendose für den Tierschutz. Noch ein Grund für mich, hier gerne hin zu kommen.

Reich werden Reichtum

Tue was du liebst und Reichtum wird die Folge sein. Ich weiß nicht, ob die Betreiberin des Salons im finanziellen Sinne reich wird oder geworden ist. Was ich weiß ist, dass sie meinen Tag heute bereichert hat mit ihrer Idee, ihr Geschäft so zu führen, wie sie es tut: mit Liebe.

Ich habe sie nie persönlich kennen gelernt und wünsche ihr auf diesem Wege alles Gute und sage „Dankeschön!“ Und ja, auch die Haare sind wieder top und ich kann wieder aus den Augen gucken, weil Claudi auch die Augenbrauen gezupft hat. Sogar, als ich mich am Muffin-Tee verschluckt hab.

Dein Glück mit tierisch kalter Schnauze

Wir suchen ständig danach, dabei liegt es manchen von uns jeden Tag zu Füßen. Wer einen Hund hat, dem schenkt das Leben gleich vielfaches Glück, inklusive Weg dorthin. Wie das geht?

Ich sitze am Kölner Flughafen in einem Café und frage mich, was diesmal anders ist als sonst. Ein Punkt ist sicherlich, dass ich mehr Zeit bis zum Boarding habe, als es sonst der Fall ist. Einer meiner Studenten, der sich heute tapfer mit seinen angehenden Coach-Kollegen meine Erkenntnisse in der Mensch-Hund-Beziehung angehört hat, hat sich angeboten mich zum Flughafen zu fahren. Eine Stunde, die ich geschenkt bekommen habe. Was nur fange ich mit dieser Zeit jetzt an?

Die Reise zum Glück
Ich tue das, wonach ich mich so oft sehne, wenn ich hektisch durch den Alltag ziehe. Ich will Ruhe. Ich will einfach nur dasitzen, vielleicht etwas lesen und hin und wieder an meinem Kaffee, Tee, Saft oder was auch immer nippen. Das mache ich jetzt. Zusammen mit einem Magazin, das ich irgendwo in der Mitte aufschlage. Dort springt mir die Frage aller Fragen ins Gesicht: Was ist Glück?

Sofort weiß ich, was es NICHT ist. Das stetige Streben nach beruflicher Anerkennung. Das ständige Fragen, ob andere besser oder weiter sind. Wünschen anderer zu entsprechen, an der Vergangenheit festzuhalten, Liebe nur unter Bedingungen zu geben. Der innere Gedankenterror, wenn nachts der Schlaf nicht kommen will. Meine Liste ist lange.

Glücklich werden Glück finden

Wenn das alles kein Glück bedeutet, was ist es dann?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals eine finale Antwort für mich finde. Ich bezweifle sogar, dass es sie gibt und schon alleine das wird dafür sorgen, dass ich recht behalte. Was ich glaube ist, dass sich unser Glück, und was wir als solches empfinden, ändert. Es kann sich in jeder Sekunde unseres Lebens ändern. Besonders schmerzhaft wurde mir das vergangene Woche bewusst. Jörn hatte in Phaedras Hals einen Knoten entdeckt. Ein Tumor, wie wir nun wissen. Während einer Routine-OP wurden zwei Knoten entfernt und wir warten auf das Ergebnis. Gutartig oder bösartig? Wir wissen es noch nicht. Was ich nun mit jeder Zelle meines Körpers weiß ist, welches Glück mein Hund für mich bedeutet. „Wir haben veränderte Zellen festgestellt“, teilten uns die Tierärzte mit.

Ja. Ich auch. Bei mir. Da, wo meine Herzzellen im Körper wohnen, tat plötzlich alles weh. Meine Beine wurden schwach und mein logisches Denken schien sich verkrochen zu haben, um allen Emotionen in mir auf einmal Platz zu machen. „Was zur Hölle…“, hab ich noch gedacht, bevor ich endgültig die Fassung verloren habe. Zuletzt habe ich Wasserfälle geweint, als meine Schwiegermutter gestorben war. Das hier war ein Hund! „Nur“ ein Hund. Nur ein Hund? Scheiße, wer das denkt oder sagt, den bedauere ich. Es war nur mein Hund, der mir beigebracht hat, wie sich bedingungslose Liebe anfühlt. Ehrlich. Nur mein Hund. Kein Mensch. Nur mein Hund.

Das kleine Glück im Alltag kommt riesengroß auf vier Pfoten daher
Für mich ist einer der glücklichsten Momente am Tag, wenn mein Hund mich begrüßt. Wenn wir gemeinsam spazieren gehen. Wenn ich sie beim Mäuschenbuddeln beobachte – und ja, auch wenn ich sie mühelos davon abhalten und abrufen kann. Wenn ich ihr die maximale Freiheit schenken kann, die sie braucht. Als ich spürte, was es bedeutete, dieses Glück zu verlieren, ging für mich die Welt eine kurze Zeit unter.

Ich habe das wunderbare Glück, jeden Tag mit Menschen und ihren Hunden zu arbeiten. Ich weiß sehr sicher, dass Hunde vielen Menschen einen Weg auf machen, um fühlen zu können – was auch immer. Das, was Hunde an Glück, Lebensfreude und Liebe in uns auslösen, bedeutet auch eine wichtige Erkenntnis im Zusammenleben mit Menschen. Wenn ich weiß, wie es sich anfühlt, bedingungslos zu lieben – dann erkenne ich diese Liebe, wenn sie mir im Alltag begegnet. Andernfalls steht sie vielleicht eines Tages vor uns und wir lassen die Liebe vorüberziehen, weil wir sie nicht erkannt haben.

Diese Erkenntnis kam in einem Menschen zustande, der „nur“ mit einem Hund lebt. Vielleicht denkst Du, wenn Du das hier liest, genauso oder ähnlich. Teile diesen Text! Für Menschen, die „nur“ mit einem Hund auch das erfahren, was sich Liebe nennt.

Euch allen, die ihr mit einem Hund lebt: gute Reise! Ich steige jetzt in den Flieger, der mich nach Hause zu meinem Glück fliegt.

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So schaffst Du Freiraum und Abgrenzung durch Pansengeruch

Für Momente, in denen Du Deine Ruhe vor Mitmenschen haben magst, empfehle ich folgendes: Einen Hund und ein Stück Pansen. Beides in Kombination schafft Freiraum binnen Sekunden. Hier kommt ein Beispiel aus dem erprobten Alltag.

Es ist Montag, 10. August 2015 und Jörn, Phaedra und ich sitzen mit 12 weiteren Yachties und solchen, die es werden wollen, im Prüfungszimmer bei ABC Wassersport in Münchens Pettenkoferstraße.

Abgrenzung Ruhe finden Freiraum schaffen zur Ruhe kommen
300 Fragen und hoffentlich auch die zugehörigen Antworten schwirren in meinem Kopf herum. Phaedra ist das alles egal – sie streckt sich mal wieder auf ihrer Decke unter dem Tisch aus und pennt ein. Als ich in meiner Tasche nach einem Stift krame, wird sie wach. Ich habe schließlich die Tüte mit den Lammohren berührt.
„Krieg ich eins?“ fragt ihr Blick.
Wenige Sekunden später höre ich zufriedenes Kauen und Jörn reißt entsetzt die Augen auf. Er sitzt eine Reihe neben uns.
„Was denn?“ zucke ich mit den Achseln.
Hier drin herrscht Totenstille. Alle gehen nochmal die Fragen für die Prüfung durch, deshalb sprechen wir nicht laut und kommunizieren über Blicke, Gesten und, in Jörns Fall, grunzen. Da kommt die Prüfungskommission herein.

Pansengeruch schafft Freiraum und Abgrenzung
Später erzählt Jörn mir, er hätte befürchtet, dass gleich Pansengeruch oder Schweineohrknacken den Raum durchzögen. Wenn man sich als Hundehalter so richtig unbeliebt machen will ODER ein Zugabteil ganz für sich selbst haben mag, dem empfehle ich, getrockneten oder frischen Pansen an den eigenen Hund zu verfüttern. Pansen macht einsam. Pansen schafft Freiraum. Pansen hilft bei sozialer Abgrenzung.

Pansen, das merken wir uns auch, verfüttern wir niemals in Prüfungssituationen. Außerdem solltest Du immer eine Mentholsalbe dabei haben, um sie Dir in die Nasenflügel zu schmieren.Prüfungsschein

Jetzt wird es hochoffiziell. Drei Prüfungsabgesandte kontrollieren Anwesenheit und Personalausweise. Anscheinend schicken Leute auch gerne mal Ghostwriter in die schriftlichen Prüfungen. Ein Prüfer hält die Ansprache, der andere teilt die Fragebögen aus. Ich sitze artig vor meinem Bogen und trage Namen (ja, diesmal Sabrina mit R und Rahtgens statt Krebs…), Anschrift und Matrikelnummer (20106827, nur so zum Spaß) ein. Wie damals an der Uni, denke ich. Nur diesmal in lustig und mit meinem Mann, der diese Erfahrung nicht allzu oft gemacht hat. Und da merke ich auch meinen 11 Semester-Drill, der wohl noch in mir steckt. Ich warte auf das „Start-Signal“ zum Beginn der Prüfung. Nach ein paar Minuten stelle ich fest, dass Jörn schon fast fertig ist… Man hätte auch ohne Start-Signal einfach anfangen können, aber einer der Prüfer tut mir den Gefallen und muntert mich auf, doch endlich die Fragen zu beantworten. Und das mache ich jetzt, mit dem Ergebnis, dass die erste Hürde Richtung Blauwassersegeln genommen ist:

WIR HABEN BESTANDEN!

Zuerst lehrt das Leben die Theorie – dann schickt es Dich in die Praxis
Kaum ein Lammohr später stehen Jörn, Hund und ich wieder zusammen in der Münchner Abendsonne und flanieren erleichtert Richtung Café Cord. Dort fläzen wir uns zwischen Sonnenschirmen und Gebüschen mit Hugo und Weißbier in eine Ecke – beflügelt auf der einen Seite, besorgt auf der anderen. Denn morgen wartet die weitaus härtere Prüfung, diesmal eine praktische und keine theoretische, auf unsere kleine Mannschaft: Phaedra werden an der Veterinärklinik der LMU zwei Knoten entfernt. Theorie war heute, morgen winkt die Praxis.

Kinder bringen uns Erwachsenen den Tod näher

Hunde Tod Einschläfern Regenbogenbrücke TiertrauerKinder sind in vielem wie Hunde – das meine ich als Kompliment. Die Welt durch die Augen eines Kindes zu sehen, jeden Augenblick als etwas einzigartiges und kostbares wahrnehmen. Kein erwachsenes Schubladendenken über den Moment stülpen. Wie gerne würde ich das täglich ohne Anstrengung tun! Wahrscheinlich verstehen sie sich deshalb manchmal blind, Kinder und Hunde. Sie lieben beide bedingungslos und blicken vertrauensvoll, bar jeglicher niedriger Beweggründe auf das Leben. Sie verstehen den Blickwinkel des anderen ohne darüber nachzudenken. Ähnlichkeit schafft Nähe und Vertrauen. Beide, Menschenkind und Hund, spüren den Zauber der Welt. Das, was das Leben lebenswert macht. Zuneigung. Respektvoller Umgang. Vertrauen. Kinder solange, wie die Welt der Erwachsenen es zulässt. Hunde für immer.

Vor einigen Monaten las ich einen Artikel über Kinder, die ihre Gefühle ausdrückten, als der Hund der Familie gestorben war. Für viele Familien gehört der eigene Hund gleichwertig in den Kreis von Mutter, Vater und Kindern – eben mit ganz eigenen, hündischen Bedürfnissen. Der Hund wird geliebt. Er macht es seinen Menschen meist einfach, ihn lieb zu haben. Schließlich tut er das, was bei uns als bedingungslose Liebe ankommt. Deshalb schmerzt es auch bitter, wenn er uns verlässt, nach viel zu wenigen gemeinsamen Jahren.

Es ist faszinierend, was Kinder uns mit ihrer Sicht auf das Leben beibringen können. Mindestens genauso beeindruckend finde ich, was sie uns über den Tod lehren, wenn wir sie lassen:

Eine Tierärztin wird von einer Familie gebeten, den alten Irischen Wolfshund „Belker“ zu untersuchen, der seit einigen Tagen schlapp und müde wirkt. Nach eingehender Überprüfung seiner Organe muss sie der Familie, darunter dem sechsjährigen Shane, leider eine schockierende Diagnose mitteilen. Belker hat Krebs, der so weit fortgeschritten ist, dass man ihm nicht mehr helfen kann. Sie bietet Belkers Familie an, zu ihnen nach Hause zu kommen, um ihn in den kommenden Tagen einzuschläfern, damit er in seinem gewohnten Umfeld sterben kann.

Da ist er wieder, der altbekannte Kloß im Hals, der die Tierärztin immer dann besucht, wenn Familien sich um ihren sterbenden Hund versammeln. Shanes Eltern sind der Ansicht, dass es eine wichtige Erfahrung für den Jungen sei, den Vierbeiner bis in den Tod zu begleiten. Während er seinen felligen Freund ein letztes Mal streichelt, wirkt Shane vollkommen ruhig. Die Tierärztin zweifelt bereits daran, dass der kleine Junge überhaupt versteht, was hier gerade passiert. Belker schläft nach kurzer Zeit für immer ein. Eltern und Tierärztin sitzen noch einige Zeit beisammen, darüber sprechend, warum es wohl so sei, dass Hunde so viel weniger Zeit zu leben hätten, als Menschen. Shane bleibt immer noch ruhig, verfolgt das Gespräch aber mit wachen Augen. Auf einmal springt er auf und erklärt bestimmt: „Ich weiß, warum!“ Völlig perplex hören seine Eltern und die Tierärztin die wohl heilsamste Erklärung, mit der wir dem Verlust eines vierbeinigen Freundes wohl begegnen können:

„Menschen werden geboren um zu lernen, wie sie ein gutes Leben führen können – wie etwa jeden Mitmenschen zu lieben, egal wen. Und wie man stets freundlich und fröhlich ist, oder?“ Shane macht eine kurze Pause und sieht zu seinem vierbeinigen Freund. „Naja, Hunde wissen längst, wie das geht. Deshalb bleiben sie auch nicht so lange auf der Erde.“

Mich hat Shanes Sicht auf das Leben und den Tod tief beeindruckt. In diesen wenigen Worten steckt überwältigend viel Weisheit.

Sie sind so nah am Kern ihres Wesens, Kinder und Hunde. Ich wünsche unserer Welt, dass Menschen sie auch aus den Augen eines Kindes wahrnehmen und täglich mit dem Schwanzwedeln eines Hundes begrüßen.

This one goes out to Shane and his parents, but also to the vet who shared this story. Thanks guys, keep chasing your dreams!